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in Freiburg, St. Martin

Das Evangelium des heutigen Sonntags mahnt uns zur Bereitschaft, zur Wachsamkeit und zur Treue in der Erfllung unserer Pflichten,  damit wir im Gericht, das ebenso sicher wie pltzlich ber einen jeden von uns hereinbrechen wird, bestehen knnen. Das Thema des Gerichtes, das der Hintergrund dieses Evangeliums ist, ist nicht sehr populr, und die Verkndigung der Kirche nimmt in einem falschen Entgegenkommen nicht selten Rcksicht darauf. Aber die Worte Jesu sind klar und unmissverstndlich, und sie erlauben es nicht, dass man sich aus ihnen heraussucht, was einem gefllt. Es kommt die Stunde der Rechenschaft, sehr oft unangemeldet und  ungelegen. Deshalb mssen wir immer bereit, wachsam und treu sein.

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Das Evangelium entfaltet diesen Gedanken in einem Gleichnis in eingngigen Bildern. Die Jnger Jesu, also wir alle, sollen Knechten  gleichen, die ihren zu einem Festmahl geladenen Herrn zurckerwarten und gerstet sein mssen, ihn sogleich zu empfangen.

Ihre Lenden sollen umgrtet sein. Das heit: Sie sollen ihr  Gewand sofort aufschrzen knnen, wie das notwendig ist, damit man arbeiten kann. Die umgrteten Lenden sind also ein Zeichen der  Bereitschaft.

Brennende Lampen sollen sie in ihren Hnden tragen. Sie sind ein Zeichen der Wach- samkeit. Wenn die Lampen gelscht werden, begibt man sich zur Ruhe des Schlafes.

Das Festmahl ist ein Bild fr die Freude der Ewigkeit, fr den Lohn der Treue in der Erfllung der Pflichten, den die guten Knechte empfangen werden. Sie drfen nicht nur am Festmahl der Ewigkeit  teilnehmen, sie werden gar bedient von dem, dem sie einst zu  Diensten gewesen sind. 

Weil der Zeitpunkt fr das Kommen des Hausherrn ungewiss ist,  deshalb mssen die Knechte immer bereit sein, drfen sie nicht  schlafen, drfen sie sich nicht in Sicherheit wiegen. Deshalb mssen sie bereit und wachsam sein, deshalb mssen Bereitschaft und Wachsamkeit die entscheidenden Tugenden der wartenden Jnger sein.

Ungewiss ist der Zeitpunkt fr das Kommen des Herrn, das heit:  Ungewiss ist unser En- de. Es kommt wie ein Dieb in der Nacht (vgl. Mt 24,43; Lk 12,39), unerwartet, unver- hofft. Das kann in  jedem Augenblick unseres Lebens geschehen.

Deshalb mssen Bereitschaft und Wachsamkeit uns dazu fhren, dass  wir in Treue den Willen Gottes erfllen.

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die Stunde der  Rechenschaft kommt. Das gilt fr einen jeden Menschen, auch wenn er davor die Augen verschliet und verantwor- tungslos in den Tag hinein lebt. Dabei kommt das ungewisse Ende immer nher heran.

Das darf uns nicht in panische Angst versetzen, wohl aber muss es  uns immer wieder in heilsame Unruhe versetzen. Panische Angst ist  deshalb nicht angemessen, weil wir ja wissen, was wir zu tun haben und weil wir ja bestehen knnen, wenn wir immer bereit und wachsam  sind, wenn wir in bestndiger Treue unsere Aufgaben vor Gott  erfllen.

Viele machen das nicht, sie berhren die Mahnung zur  Bereitschaft und Wachsamkeit und kmmern sich nicht oder nur wenig  um Gott und die Ewigkeit. Sie haben den Glau- ben verloren oder niegehabt - mehr oder weniger - , oder sie berufen sich auf die an- deren, die auch gedankenlos in den Tag  hinein leben.

Wir knnen nicht ihre Richter sein, weil wir nicht das Ma ihrer Einsicht kennen. Ohne Einsicht und ohne Wollen gibt es keine Verfehlung vor Gott. Fr das, was wir nicht ge- wusst und gewollt  haben, werden wir nicht zur Rechenschaft gezogen. Aber es gibt  Manches, was wir wissen, aber nicht wissen wollen. Und manchmal  reden wir uns ein, wir htten etwas nicht gewollt, was wir in Wirklichkeit aber sehr wohl gewollt haben.

Auf jeden Fall tun wir gut daran, dass wir immerfort das Ziel  unseres Lebens im Auge behalten und es auch denen nahe legen, die nicht daran denken oder nicht daran den- ken wollen. Dann werden wir  bewusster unsere Tage durchleben, mit einem lebendigen und wachen Geist, immer bereit, das Gute zu tun, den Willen Gottes zu erfllen, in Treue gegenber unseren Aufgaben.

Wenn Wachsamkeit, Bereitschaft und verantwortungsbewusste Treue  heute immer seltener werdende Tugenden sind, so hngt das letztlich zusammen mit dem schwin- denden Glauben an den Gott der Offenbarung, an das Gericht und an die Ewigkeit und mit der Gedankenlosigkeit  vieler.

Die Knechte haben keinen Grund mehr zu wachen, wenn sie zu wissen  meinen, dass der Hausherr nie mehr heimkommt oder wenn seine  Wiederkunft sich als Irrtum heraus- gestellt hat. Wer strengt sich  noch an, wenn am Ende alles gleich ist, wenn alles ins Nichts versinkt, aus dem es hervorgegangen ist? 

Damit bringen wir aber nicht nur unsere Ewigkeit in Gefahr, auch unser irdisches Leben wird dadurch immer ungemtlicher. Ohne Religion bricht schlielich auch die Moral zusammen. Das erleben wir  heute alle Tage, es sei denn, dass wir die genannte Ge- setzmigkeit nicht wahr haben wollen. Wenn wir nicht sehen wollen,  entgeht uns vie- les. Das ist sicher. Aber dann sind wir nicht schuldlos.

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Bereitschaft, Wachsamkeit und Treue in der Erfllung der Aufgaben  vor Gott, das sind die Sulen des christlichen Lebens. Davon spricht  nicht nur das heutige Evangelium, davon spricht die Offenbarung  immer wieder. Damit aber knnen wir im Gericht Gottes bestehen, das  kommen wird ber uns wie ein Dieb in der Nacht (Mt 24,43; Lk  12,39). Amen.

 

Predigt zum 18. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  1. August 2004 
in Freiburg, St. Martin

Das Evangelium des heutigen Sonntags spricht von den Gefahren des  Reichtums. Es spricht damit nicht nur jene an, die zu den wirklich Reichen gehren, sondern uns alle. Auch dann, wenn wir nicht viele Gter besitzen, sind wir nicht immun gegenber der Faszination des  Besitzes. Die Gter dieser Welt knnen uns so sehr mit Beschlag bele- gen, dass wir darber die Ewigkeit vergessen, ganz und gar.  Wenn heute die Kirchen immer leerer werden, so ist das auch - nicht  nur, aber auch - begrndet durch unseren Wohlstand und durch die  Faszination des Besitzes, durch die Faszination der Gter dieser  Welt, der immer mehr Menschen erliegen.

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Jesus spricht wiederholt von den Gefahren des Reichtums. Er  preist die Armen selig (Mt 5,3; Lk 6,20), und er erklrt, dass es  fr einen Reichen sehr schwer ist, in das Himmel- reich einzugehen (Mt 19,23; Mk 10,25; Lk 18,25). Immer wieder warnt er vor dem Reich- tum. Dabei verurteilt er ihn nicht als solchen. Er ist nicht einfach  gegen die Gter dieser Erde, er verachtet sie nicht, keineswegs. Er  wei: Gott hat sie uns gegeben, sie sollen uns dienen, aber er wei auch, dass sie die Tendenz haben, den erbsndigen Menschen zu  versklaven, so dass nicht mehr die Gter dem Menschen dienen,  sondern der Mensch den Gtern dient, so dass nicht mehr der Mensch  die Dinge besitzt, sondern die Dinge den Menschen besitzen. Er wei,  dass die Leidenschaft des Besitzens um so versuche- rischer ist fr  uns, je mehr wir besitzen, dass sie uns so gefangen nehmen kann,  dass wir davon geblendet werden und die unsichtbaren Gter gar  vllig aus dem Blick verlieren.

So geschieht es bei dem Bauern im Gleichnis des Evangeliums: Er  ist gnzlich fixiert auf seine gute Ernte. Gott und die Ewigkeit  kommen ihm dabei nicht mehr in den Sinn, ob- wohl sie so nahe sind -  nur einige wenige Stunden trennen ihn davon.

Nicht wenige setzen heute auf die Reichtmer dieser Welt.  Manchmal tun es auch sol- che, die noch in die Kirche gehen, aus  Gewohnheit oder aus sozialen Rcksichten oder gar noch aus einer gewissen berzeugung heraus. Aber auch sie setzen heute vielfach auf die Reichtmer dieser Welt.

Habgierig sind nicht nur diejenigen, die viel haben, auch die  Armen sind es oft. Die berschtzung, die berbewertung der Gter dieser Welt, finden wir bei Reichen und bei Armen. Es gibt Reiche, die nicht am Besitz hngen, und Arme, deren ganzes Sinnen und  Trachten auf das Haben gerichtet ist.

Es sind nicht wenige, die heute auf die Reichtmer dieser Welt setzen und dabei ihre Seelen und ihre Ewigkeit verkaufen, um den Preis ihres irdischen Besitzes. Sie machen es wie einst Esau es  gemacht hat, der sein Erstgeburtsrecht fr ein Linsengericht  verkauft hat.

Jesus kennt das Herz des Menschen und seine Abgrnde. Er wei, dass die Faszination des Besitzes, die Habgier, eine Versuchung ist fr jeden Menschen, ja, dass diese Ver- suchung nicht abnimmt mit  den Jahren. Im Gegenteil. Die Habgier und der Geiz sind eine  spezifische Versuchung fr ltere Menschen. 

Das ungeordnete, das unbeherrschte Streben nach den Gtern dieser  Welt hat aber eine Reihe von weiteren Lastern im Gefolge, nmlich Unehrlichkeit, Unwahrhaftigkeit, Un- treue und Neid und immer neue  Feindseligkeiten. Das erleben wir heute alle Tage. Vor allem aber verdunkelt das unbeherrschte Streben nach den Gtern dieser Welt den Blick fr Gott und die Ewigkeit.

Wer aber Gott und die Ewigkeit verschmht, den wird auch Gott  einst verschmhen. Was der Mensch st, das wird er auch ernten: Wer nicht an das ewige Leben bei Gott glaubt, dem wird es auch nicht zuteil. Jesus bezeichnet die Konzentration auf die sichtbaren Dinge, die sich den Blick fr den Schpfer dieser Dinge ver-stellen lsst,  als Torheit. Torheit ist schuldhafte Dummheit. 

Manche Einsichten sind uns einfach nicht gegeben. Das ist dann schicksalhaft. Die Menschen sind eben verschieden in ihrer  Erkenntniskraft. Manche Einsichten sind uns einfach nicht gegeben, aber manche haben wir deshalb nicht, weil wir davor die Augen  verschlieen oder weil wir es versumen, tiefer nachzudenken, etwa aus Faulheit oder um den Konsequenzen solchen Nachdenkens zu  entgehen. Das aber ist Torheit.

Jesus gibt das entscheidende Gegenmittel gegen die Versuchung zur  Habgier, gegen das ungeordnete Besitzstreben an, nicht gerade im  Evangelium des heutigen Sonntags, aber sonst, und zwar wiederholt,  wenn er vom Almosengeben spricht, von dem Sich- trennen von den  Gtern, ohne dass eine innere oder eine uere Notwendigkeit vor- liegt. Neben dem Fasten und dem Beten gehrt das Almosengeben zu den  religsen Grundakten des Jngers Christi. 

Die Zeit ist kurz. Das rechte Tun kann man nicht auf morgen  verschieben. ber Nacht kommt der Herr. Schon seit fast 3000 Jahren  heit es im Buch der Psalmen: Heute, wenn ihr seine Stimme hrt  (die Stimme Gottes), verhrtet eure Herzen nicht (Ps 94,8). Diese  Worte beten wir jeden Morgen im Stundengebet der Kirche. Den Dienst  vor Gott kann man sich nicht fr morgen aufsparen. Morgen ist es mglicherweise schon zu spt. Und selbst wenn man das Morgen erlebt,  wird man dann aller Wahrscheinlichkeit nach nicht anders sein als heute und wiederum das Unangenehme auf den nchsten Tag ver- schieben.

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Das Evangelium des heutigen Sonntags erinnert uns an eine  verbreitete Leidenschaft, an eine Versuchung, die fr uns und viele andere eine Gefahr fr das ewige Leben bei Gott ist. Wenn wir aber um eine Gefahr wissen, haben wie sie schon weitgehend gebannt. 

Es ist nicht so, als ob die Armen dieser Versuchung gegenber  immun seien, aber die- jenigen, die weniger haben, verfallen ihr  nicht so leicht wie die, die mehr haben. 

Das ungeordnete Streben nach dem Besitz kann uns arg versklaven  und unser Denken verdunkeln. Es gilt, dass wir die rechte Ordnung im  Blick behalten, dass wir den Schpfer und Geber aller guten Gaben  nicht ber die Freude an den Gaben und ber die Sorge um diese Gaben  zu vergessen, dass wir den ewigen Gtern den Vorzug ge- ben vor den zeitlichen. 

Einmal werden sie uns aus den Hnden genommen, die zeitlichen  Gter. Daher mssen wir uns zur rechten Zeit von ihnen distanzieren.  

Das Almosengeben gehrt neben dem Gebet und dem Fasten zu den  religisen Grund- akten unseres Christenlebens. 

Die unvergnglichen Gter relativieren die vergnglichen. Auf sie  aber kommt es an. Das Unsichtbare hat den Vorrang vor dem  Sichtbaren. Amen. 

 

Predigt zum 17. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten in  Mnchen, Schloss Frstenried, 
am 25. Juli 2004

Im Evangelium des heutigen Sonntags gibt der Herr seinen Jngern eine Lektion ber das Beten. Er lehrt sie das Vaterunser und macht einige Ausfhrungen darber, in wel- cher Haltung und mit welcher  Erwartung sie beten sollen. Er erklrt ihnen, seinen Jn- gern, um  was sie beten sollen und mit welcher Einstellung sie es tun sollen.  - Seine Jn- ger, das sind alle, die seinen Worten Glauben schenken. Sofern wir das tun, gehren auch wir zu ihnen. 

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Um was wir beten sollen, was der Inhalt unseres Betens sein soll,  das lehrt uns - gem den Worten Jesu - in idealer Weise das Vaterunser. Der Wortlaut des Vaterunsers ist hier, im Lukas-Evangelium, anders, als wir es gewohnt sind. Wir haben das Vaterunser hier in einer Kurzfassung. Heute beten wir in jener  lngeren Fassung, wie sie uns der Evangelist Matthus berliefert hat. Hier, bei Lukas, hat es fnf Bitten, sonst hat es sie- ben.

Das Vaterunser ist nicht nur ein Gebet, es ist auch eine Schule des Gebetes. Es vermittelt uns die Grundinhalte unseres Betens, und zugleich zeigt es uns die rechte Ordnung des Gebetes. Unsere Bitten, so lehrt uns das Vaterunser, mssen  einerseits Gottes Ehre und andererseits unser Heil zum Inhalt haben.  Zuerst muss es uns um die Ehre Gottes gehen, und an zweiter Stelle  steht dann unser Heil. Dabei mssen wir wissen, dass Gottes Ehre  zugleich auch unser Heil ist, dass sie es ist, die uns im Grunde das Heil bringt. Immerhin: Das Gebet um die Ehre Gottes muss dem Gebet  um unser Heil vorausgehen. 

Zunchst sollen wir Gott die auf ihn bezglichen Anliegen  vortragen, wir sollen beten, dass sein Name durch die Menschen geheiligt werde und dass sein Reich komme. Das heit: Gott mge  bewirken, dass alle Menschen ihm gehorchen und ihn anbeten. 

Wenn wir so beten, dann knnen wir nicht unseren eigenen Willen  suchen, unseren vordergrndigen Vorteil, unser oberflchliches Wohlergehen, Erfolg im Geschft und Ansehen bei den Menschen. 

Der Wille Gottes, die Heiligung seines Namens und das Kommen seines Reiches, das ist das Entscheidende. Um Gott geht es in der  christlichen Religion, nicht um den Men- schen. Dass der Mensch oft im Mittelpunkt steht im Christentum, das ist ein folgenschwe- rer  Irrtum.

Nur wenn Gott im Mittelpunkt steht und nicht der Mensch, dann  entsteht eine bessere Welt. Beherzigen wir das in unserem Leben, dann finden wir den inneren und den ueren Frieden - aber auch nur  dann. Viele Menschen leiden heute, weil ihnen der innere und der  uere Friede fehlt. Denen, die sich vom Zeitgeist betren lassen  und dem Unglauben frhnen, dem praktischen oder dem praktischen und dem theoretischen, sie haben ohnehin keinen Frieden, aber des fteren haben ihn aber auch nicht jene, die sich noch als  Glubige verstehen.

Die Lehre der ersten Hlfte des Vaterunsers ist die, dass Gott immer im Mittelpunkt un- seres Betens und unseres Strebens stehen muss, nicht wir selber oder sonst etwas. Da- mit werden wir an das  Jesus-Wort erinnert: Suchet zuerst das Reich Gottes und seine  Gerechtigkeit, und alles brige wird euch hinzugegeben werden (Mt 6,33). 

In der zweiten Hlfte des Vaterunsers geht es um unsere Anliegen. In der Bitte um das tgliche Brot ist unsere leibliche Not angesprochen, sind unsere leiblichen Nte ange- sprochen. Diese  Bitte steht fr das Gebet um die natrlichen Gaben. In der Bitte um die Vergebung der Snden und um die Bewahrung vor der Versuchung ist dann die Not un- serer Seele angesprochen. Im einen Fall geht es um das irdische Wohl, im anderen Fall geht es um das ewige Heil. 

Die Nte des Leibes empfinden wir sehr oft drckender ist als die  Nte der Seele. Aber wenn wir den Frieden der Seele gefunden haben, dann knnen uns die irdischen Sor- gen nicht mehr viel anhaben. Dann  wissen wir, dass die Vergebung der Snden und die Bewahrung vor der  Versuchung wichtiger ist fr unser Leben als das tgliche Brot und  die Linderung der leiblichen Nte.

Nicht nur Gott hat den Vorrang vor dem Menschen, auch die  bernatrlichen Gaben, die Gott uns schenkt, haben den Vorrang vor  den irdischen Gaben - in der Sicht Jesu. Fr sie, fr die  bernatrlichen Gaben, reserviert der Herr zwei Bitten, in der  Matthus-Fa- ssung des Vaterunsers sind es gar drei. 

Auch unser natrliches Wohlergehen darf, ja, muss Gegenstand unseres Betens sein, aber wir mssen wissen: Das Heil der Seele, das ewige Heil, ist wichtiger als das na- trliche Wohlergehen. Das grte bel ist die Snde. Alle Reichtmer dieser Welt ver- blassen, sie sind wertlos im Vergleich mit der Gemeinschaft mit Gott, im  Vergleich mit der Gemeinschaft mit Gott in diesem Leben und in der Ewigkeit. 

Dennoch drfen, ja, sollen wir auch um die irdischen Gaben beten,  um Gesundheit, um Schutz auf der Reise, um Erfolg im Geschft, um  gutes Wetter, um das Wachstum der Frchte, um Anerkennung unserer  Arbeit: All unsere irdischen Sorgen und ngste geh- ren in unser Gebet hinein. Auch wenn sie nicht ausdrcklich im Vaterunser vorkommen, sie gehren in unser Gebet hinein, denn Gott ist zustndig fr alle Bereiche der Wirk- lichkeit, und das Vatersein  Gottes bliebe reine Theorie, wenn wir diese Sorgen und ngste aus  unseren Gebeten ausklammern mssten. Aber ihnen gebhrt der zweite  Platz, nicht der erste. In erster Linie geht es um die Vergebung der  Snden und um die Bewahrung vor der Versuchung. 

Und auch das mssen wir bedenken: Gott kann uns unsere Bitten nur  erfllen, wenn wir alles tun, um die Snde zu meiden und in der Snde Vergebung zu finden, und wenn wir uns nicht leichtfertig in  die Versuchung hineinbegeben oder gar andere verantwor- tungslos hineinfhren. Solche Zusammenhnge sind uns oft nicht bewusst, und sie pr- gen nicht gerade das Klima in der Kirche.

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Im zweiten Teil unseres Evangeliums spricht der Herr ber die  Haltung, in der wir beten sollen und ber das, was wir erwarten  knnen in unserem Beten. Ungestm soll unser Beten sein, hartnckig und zudringlich. Wir drfen uns an Gott wenden wie an einen  Menschen, mit dem wir vertraut sind, wie an einen Freund, wie an einen guten Bekann- ten. Vater drfen wir Gott nennen. Das ist eine  zentrale Aussage der Christusoffenba- rung. Das bedeutet, dass wir mit kindlichem Vertrauen vor Gott hintreten drfen und - mssen, dass Gott uns nahe ist, dass er da ist fr uns, dass er uns vertraut sein will, dass er fr uns sorgt, wie nur ein guter Vater fr seine Familie sorgen kann. Wie Kinder vor einen guten Vater hintreten, so  sollen wir vor Gott hintreten, in kindlichem Vertrauen, aber auch in  kindlicher Hochschtzung. Die kindliche Hochschtzung muss hinzukom- men. Kommt sie nicht hinzu, so wird aus dem kindlichen Vertrauen  plumpe Vertraulich- keit.

Und - wir drfen nicht den Mut sinken lassen, wenn Gott stumm  erscheint. Viele hren auf, Gott zu bitten, wenn sie keinen Erfolg haben, wenn sie meinen, sie htten keinen Erfolg, wenn sie keinen  Erfolg sehen. Wie oft vernehmen wir als Ergebnis religiser Lebenserfahrung die Klage: Beten hat keinen Sinn. Alles kommt, wie es kommt. Die Dinge nehmen doch ihren ehernen Verlauf. Und manchmal  wird dann noch hinzugefgt: Als ob Gott sich durch uns etwas sagen  liee, als ob wir Gott in seinem Tun beeinflu- ssen knnten. Das aber knnen wir, in der Tat, wir knnen Gott in seinem Tun beein-  flussen. Das sagt uns freilich nicht die natrliche Vernunft, das sagt uns der Glaube. Mit Recht sagt uns das der Glaube, denn Gott  selbst hat es uns gesagt in seiner Offenbarung.

Wir drfen nicht vergessen, dass wir uns im Gebet in eine andere Welt begeben, in eine Welt, in der andere Gesetze gelten. Wer sich mit Gott einlsst, muss dessen Mastbe bernehmen. Gott berhrt  kein Gebet, das wei der Glubige, aber er hrt und erhrt unsere Gebete in dem Umfang und in der Weise, wie es fr uns am  besten ist, im Hin- blick auf unser zeitliches und ewiges Heil. Und  darauf sollte es uns ankommen. Es ist auch klar, es msste auch klar  sein: Gott ist weder ein Automat noch ein Sklave des Menschen. Er hrt und er erhrt unsere Bitten aus seiner tieferen Einsicht  heraus, von seiner hheren Warte her.

Das Bittgebet gehrt zum Glauben. Wenn wir es nicht pflegen und  nichts davon halten, dann ist unser Glaube schwach, unlebendig, ja, tot. Im Bittgebet wird es einerseits offenbar, ob unser Glaube nur  eine Theorie ist oder ob er Gemeinschaft mit Gott ist, lebendige  Gemeinschaft, und durch das Bittgebet wird unser Glaube uns andererseits zum lebendigen Besitz. Gerade durch das Bittgebet  erhlt unser Gottesverhltnis Farbe und Profil.

Gott erhrt uns freilich nur dann, wenn wir uns bemhen,  auf ihn zu hren, wenn wir seinen heiligen Willen erfllen. Wir knnen nicht erwarten, dass Gott unser Gebet er- hrt, wenn wir uns nicht bemhen, seinen Willen zu erfllen. Und auch das muss hin- zukommen: Wir mssen mitwirken mit der Gnade Gottes. Was wir selber  im Hinblick auf die Erfllung unserer Bitten tun knnen, das mssen  wir auch wirklich tun. 

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Das Bittgebet steht im Widerspruch zum Hochmut. Der Hochmtige bittet nicht. Er kann nicht bitten. Weder die Menschen noch Gott kann er um etwas bitten. Der Hochmtige kommt aber auch nicht zum  Glauben. Denn glauben kann nur der, der demtig ist: Im- mer ist es so, dass sich der Glaubende Gott im Gehorsam unterwirft. 

Es ist eine Ausrede, wenn man sagt, man wolle lieber das vollkommenere Gebet beten, das Lobgebet und das Dankgebet. Wenn wir im rechten Geist Gott bitten, dann ist das immer auch ein Ausdruck  des Lobens und des Dankens. Im Grunde ist das Bittgebet eine  besondere Gestalt des Lobgebetes und des Dankgebetes.

Es ist schon so: An der Bedeutung des Bittgebetes in unserem religisen Leben knnen wir es ablesen, wie lebendig unser Glaube  ist. 

Die Ehre Gottes, darum geht es in erster Linie in der  christlichen Religion. Aber die Ehre Gottes, sie ist das Heil des Menschen. Und - auch das drfen wir nicht vergessen - das ewige  Leben hat den Vorrang vor dem zeitlichen. Amen. 

 

Predigt zum 16. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  18. Juli 2004 
in Freiburg, St. Martin

Jesus war mit den Geschwistern Maria, Martha und Lazarus gut bekannt, befreundet ist vielleicht zu viel gesagt angesichts der hoheitsvollen Distanz, die ihn nach Auskunft der Evangelien gekennzeichnet hat. Die drei Geschwister lebten ganz in der Nhe von Je- rusalem, in Bethanien. Wiederholt war Jesus in ihrem Haus  gewesen. Die Drei waren indessen sehr verschieden, so verschieden, wie Geschwister nur verschieden sein kn- nen. Das gilt vor allem fr die beiden Schwestern Maria und Martha. Sie verkrperten - so  wrden wir heute sagen - zwei Typen: Maria war besinnlich, innerlich und ein wenig vertrumt, Martha hingegen war derber, dem Leben zugewandt und mehr nach auen hin gerichtet, eher extrovertiert. Maria steht demnach gewissermaen fr das beschau- liche Leben, Martha fr das ttige. 

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Zwei Wege sind es, auf denen wir Gott begegnen knnen, zum einen der Weg der Ver- bundenheit mit Gott in der Arbeit und in der Erfllung seiner Gebote und im Einsatz fr sein Reich und zum  anderen der Weg des Hrens auf ihn und sein Wort und der Weg des  Gesprches mit ihm, der Weg des Gebetes. Den einen Weg zu Gott knnte man als den unmittelbaren, den anderen als den mittelbaren bezeichnen. Nun gehren diese beiden Wege jedoch irgendwie zusammen.  Nur beschaulich oder nur ttig leben darf niemand. Denn das Gebet ist das oberste Gesetz und die hchste Pflicht fr einen jeden von uns, die wir uns Christen nennen. Das Gebet ist auf das ttige Leben  hingeordnet, und das ttige Leben ist wiederum hingeordnet auf das Gebet. In der Erfllung des Willens Gottes wird das Gebet  vorbereitet, und gleichzeitig verpflichtet das Gebet uns zur  Erfllung des Willens Gottes in letzter Konsequenz. 

Gott hat sich uns mitgeteilt in der Offenbarung. Zusammen mit dem  Glauben ist das Ge- bet die Antwort darauf. Das Gebet ist die erste  Antwort auf die Offenbarung, das private und das ffentliche Gebet, das Gebet und der Gottesdienst der Kirche.

Gott will die Gemeinschaft mit uns Menschen. Sie entfaltet sich  in erster Linie im Ge- sprch mit ihm. Das gilt fr den, der  beschaulich lebt, aber auch fr den, der dem tti- gen Leben den  Vorrang gibt.

Die beiden Wege gehren demnach zusammen. Zur Erfllung des  Willens Gottes gehrt das Gebet, und zum Gebet gehrt die Erfllung  des Willens Gottes. Nur beschaulich oder nur ttig leben darf niemand. Dennoch gibt es Schwerpunkte, und es darf sie geben.

So war es auch bei den Schwestern in Bethanien. Die Eine war mehr  beschaulich, die Andere war mehr dem ttigen Leben zugewandt.

Demgem bildeten sich in der Kirche schon frh  Ordensgemeinschaften, die strker das beschauliche Element betonten, und solche, die strker das ttige hervorhoben, Orden, die mehr dem Gebet oblagen und solche, die mehr der Glaubensverkndigung und der  Seelsorge oder den karitativen Werken zugewandt waren. 

Hier ist es nun aufschlussreich, dass die beschaulichen Orden, sofern sie sich selber treu geblieben sind, noch am wenigsten von  dem allgemeinen Ordenssterben betroffen sind.

Der lteste Orden des christlichen Abendlandes, der  Benediktinerorden - er stammt aus dem sechsten Jahrhundert - wollte  von Anfang an beide Momente miteinander verbin- den, in harmonischer  Ausgeglichenheit. Benedikt von Nursia brachte das auf die schlich-  te Formel bete und arbeite - ora et labora, lateinisch sprach man damals. Auch dieser Orden hat guten Nachwuchs, noch heute, wo er sich konsequent an die alte Re- gel hlt. Das sei nur nebenbei gesagt.

Das beschauliche und das ttige Leben gehren zusammen,  wenngleich die Berufung des Einen mehr auf die unmittelbare  Gemeinschaft mit Gott geht, whrend der Andere Gott mehr durch seine ueren Taten, durch den Dienst an den Menschen, also mittel- bar, verbunden ist. 

Beides hat seinen Wert, beides ist notwendig, wenn es aber darum geht, was wertvoller ist, in der objektiven Ordnung, so mssen wir auf den direkten Weg verweisen, auf das Lauschen auf Gottes Wort und auf das Gesprch mit Gott, auf das Wohnen im Hause des Herrn, wie der Psalmist es ausdrckt im 22. Psalm (Ps 22,7), auf jene Haltung,  die in unserem Evangelium durch Maria verkrpert wird. Diese Haltung  bestimmt auch jene andere Maria, die Gott zur Mutter seines Sohnes  erwhlt und zum Urbild der Kirche ge- macht hat. Das Grere, das  Bedeutendere, das Wichtigere ist das Gebet, die Anbetung Gottes, das  Horchen auf sein Wort, das Verweilen bei ihm.  

Zwar ist der Eine mehr zu Diesem, der Andere mehr zu Jenem berufen, aber das variiert auch im Laufe des Lebens. Es gibt Phasen in unserem Leben, in denen wir strker von der einen Form des religisen Lebens angesprochen werden, und solche, in denen uns mehr die andere Form anspricht.

Wenn wir alt geworden sind, so liegt es nahe, dass wir das beschauliche Element mehr pflegen, das Gebet und die Beschftigung mit dem Wort Gottes. Das sollten wir dann auch tun. Dann knnen nmlich wir noch etwas Groes machen aus unserem Leben. Wenn also  die ueren Krfte schwinden, bleibt uns die Mglichkeit, wenigstens am Ende uns noch dem Wertvolleren zuzuwenden, dem Greren, und den Schwerpunkt unseres Lebens auf das Gebet, auf das Zusammensein mit  Christus und mit den Heiligen und mit dem Vater im Himmel zu  verlegen.

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Wichtiger als alle guten Werke ist das Gebet. Das gilt immer.  Gott muss die Mitte in un- serem Leben sein, nicht der Mensch. Wenn er, der Mensch, heute vielfach an die Stelle Gottes tritt, so ist das eine folgenschwere Verflschung des Christentums und ein groer  Schaden fr die Kirche und fr das Christentum.

Nchstenliebe und Dienst am Nchsten: Ja. Aber nicht ohne die  Gottesliebe. Die Nch- stenliebe verliert ihr Fundament, wenn sie nicht auf der Gottesliebe aufruht. Das wird heute da vergessen in  der Verkndigung und in der Seelsorge, wo sie zum Gemeinde- betrieb entarten und wo die Anbetung Gottes, die Ehre Gottes und das Gebet nicht mehr das A und O im Leben der Gemeinde sind. Leider ist das heute nicht selten der Fall.

In dem 113. Psalm beten wir: Nicht uns gib die Ehre, o Herr,  sondern deinem Namen (Ps. 113,9). Dieses Gebet erhlt seine  besondere Aktualitt in der Gegenwart. Die Ehre Gottes, sie ist die  Voraussetzung fr das Heil des Menschen, nicht umgekehrt.

Was der Christenheit und uns allen nottut, das ist mehr  Jenseitsorientierung, mehr Hin- wendung zu Gott, mehr Stille und mehr Gebet, vielleicht auch - um es noch konkreter zu sagen - eine grere Wertschtzung der Mitfeier der heiligen Messe an Werktagen.  Amen.

 

Predigt zum 15. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  11. Juli 2004 
in Freiburg, St. Martin

Es ist berraschend, dass ein Gesetzeslehrer mit einer solchen Frage an Jesus herantritt: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu  erben? Er ist Fachmann fr derartige Fragen, der Phariser, er hat  Theologie studiert - so wrden wir heute sagen -, whrend Jesus sich  seine Weisheit selber angeeignet hat. Er ist Autodidakt, sozusagen.  Aber der Ge- setzeslehrer sprt offenkundig, dass hier ein Prophet  vor ihm steht, ein Gottesmann. In diesem Empfinden wird er bestrkt  durch die Weise, wie Jesus reagiert und durch das, was er ihm antwortet. Er lsst ihn, den Gesetzeslehrer, selber die Antwort  geben, wie er sie gelernt hat, dann aber vervollstndigt er sie  durch ein eindrucksvolles Gleichnis. Ho- heitsvoll ist Jesus, und er  offenbart sich hier aufs Neue als einer, der mehr ist als ein Mensch.

Die Frage, die der Gesetzeslehrer an ihn richtet, geht davon aus,  dass wir in diesem Leben unsere Ewigkeit vorbereiten, dass wir am Ende unseres Lebens zu Gott kommen oder zur ewigen Gottesferne verdammt werden, dass dieses unser endgltiges Schicksal aber von  unserem Tun und Lassen in diesem Leben abhngt. Schon diese  Zusammen- hnge haben viele von uns vergessen. Vielen sind sie abhanden gekommen. Entweder meinen sie: Der Tod bringt die Seligkeit fr alle, oder sie meinen: Der Tod ist das endgltige Ende fr alle.

brigens, jene, die heute sagen: Der Tod bringt die Seligkeit fr  alle, morgen werden sie sagen: Der Tod ist das endgltige Ende fr alle.

Die Antwort auf die Frage des Gesetzeslehrers - der  Gesetzeslehrer gibt sie selber, und Jesus erlutert sie -, die tiefere Antwort auf die Frage des Gesetzeslehrers, kann man so formulieren: Wer nicht Gott und den Nchsten liebt, der kann nicht zu Gott kommen, und fr den Himmel muss man sich schon etwas gefallen lassen. 

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Die erste Bedingung fr das glckselige Leben bei Gott in der  kommenden Ewigkeit ist die Liebe zu Gott. Wir mssen Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat, weil wir nur so die Liebe Gottes anerkennen und recht beantworten knnen. Diese Liebe muss in Wor-  ten ihren Ausdruck finden, in Worten des Gebetes, im Dankgebet, im Bittgebet und im Lobgebet. Sie muss ihren Ausdruck darin finden,  dass wir Gott suchen in unserem Den- ken und nicht dumpf und  oberflchlich in den Tag hineinleben, dass wir die Dimension des  Heiligen gleichsam bewusst in unser Leben hineinnehmen, dass wir uns stets die Gegenwart Gottes vor Augen halten - in unserem Ttigsein und in unserem Leiden. 

Auch das gehrt dazu, zur wahren Gottesliebe, dass wir Spott und Verfolgung um Gottes und um der Wahrheit willen auf uns nehmen. Der Prsident des Ppstlichen Rates fr die Kultur, Kardinal Poupard,  sprach krzlich von einem aggressiven Skularismus, der die glubigen Christen in der ffentlichkeit bedrngt. Ihm mssen wir  uns stellen, aus Liebe zu Gott.

Unsere Liebe zu Gott muss endlich darin zum Ausdruck kommen, dass  wir den Willen Gottes erfllen, wie er sich uns in unserem Gewissen und in der Verkndigung der Kir- che darbietet, und dass wir die  Hilfe Gottes dafr in Anspruch nehmen, wie sie uns in den Sakramenten und berhaupt im Gebet der heiligen Kirche geschenkt wird, vor al- lem im Sakrament der Bue und im Sakrament der  Eucharistie.

Gott lieben knnen wir nicht, wenn wir nicht seinen heiligen Willen erfllen. Der Wille Gottes, das ist vor allem unsere Nchstenliebe, nicht nur, aber doch in erster Linie. Die   Nchstenliebe ist das zweite Gebot oder der zweite Teil des  Hauptgebotes.

Man darf sie nicht an die erste Stelle setzen, die Nchstenliebe,  als ob sie ihren Platz noch vor der Gottesliebe htte. Wir htten  keinen Grund, die unbekannten Menschen oder gar die unangenehmen Menschen zu lieben, wenn das nicht um Gottes willen ge- schehen  msste. Andererseits wird unsere Liebe zu Gott hohl, wird sie ein  leeres Be- kenntnis, wenn wir uns nur ihm zuwenden in Liebe, nicht aber den Menschen.

Die liebende Hinwendung zu Gott im Gebet und in der  Gottesverehrung ist zwar das Entscheidende in unserem Leben, aber die Nchstenliebe ist die Feuerprobe der Gottes- liebe, zusammen mit  der Erfllung der brigen Gebote Gottes in der Nachfolge  Christi.

Wir betrgen uns selbst, wenn wir uns nicht darum bemhen, dass  unsere Liebe zu Gott Gestalt annimmt in der Nchstenliebe, und wir  geben damit der Welt ein rgernis. So ist es oft geschehen, so  geschieht es auch heute immer wieder. Verhngnisvoll ist dieses rger- nis vor allem dann, wenn es von den professionellen Dienern  der Kirche gegeben wird und von denen, die besondere Aufgaben in der Kirche zu erfllen haben, haupt- amtlich oder im Ehrenamt.

Im Gleichnis des heutigen Evangeliums ist die Rede von einem Priester und von einem Leviten, die dem unter die Ruber Gefallenen keine Barmherzigkeit erweisen und die von einem Samariter in den Schatten gestellt werden. 

Von der Nchstenliebe ist sehr viel die Rede in der Kirche, so viel, dass das oft gar auf Kosten der Glaubenssubstanz geht, aber verwirklicht wird sie nur wenig. Das wird man schon allgemein sagen  knnen. Darber wird sich der nicht wundern, der sich daran er- innert, dass das Glaubensfundament in der Kirche und im Christentum  allgemein br- chig geworden ist. Ist aber das Glaubensfundament brchig geworden oder ist der Glau- be dahin, dann hat auch die Nchstenliebe ihre eigentliche Begrndung verloren.

Immer ist es so, dass die Reduktion des Christentums auf sein  Ethos nicht zu einer He- bung des ethischen Niveaus des Christentums fhrt. Im Gegenteil, eine solche Redukti- on ist die Vorstufe einer vlligen Auflsung des Christentums und der Botschaft der Kir- che.  Das lehrt uns die Erfahrung, das lehrt uns aber auch die Vernunft.

*

Die Gottesliebe hat den Vorrang vor der Nchstenliebe. Die Grundlage des Doppelgebo- tes der Gottes- und Nchstenliebe ist die  Tugend der Religion, die Verehrung Gottes im Gebet und im Kult der  Kirche. Die Verehrung, die wir Gott entgegenbringen, ist die erste  Antwort auf seine Selbstoffenbarung, wie sie uns in der Verkndigung der Kirche begeg- net. Sie ist zugleich die Grundlage dafr, dass wir seinen heiligen Willen erfllen und ihm so die zweite Antwort auf seine Selbstoffenbarung geben knnen. Der Wille Gottes aber  besteht in unserer Liebe zu Gott und in unserer Liebe zum Nchsten.  Beides muss jedoch konkret werden. Von dieser Konkretion aber hngt unser ewiges Schicksal ab. Amen.

 

Predigt zum 14. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  4. Juli 2004 
in Freiburg, St. Martin

Das Evangelium des heutigen Sonntags stellt sich dar als eine  Mahnrede Jesu an seine Jnger, an genau zweiundsiebzig von seinen Jngern, die er aussendet und die er teilhaben lsst an seinem  messianischen Dienst. Er erklrt ihnen, in welcher Haltung und unter  welchen Umstnden sie das Evangelium verknden sollen und was der entschei- dende Inhalt dieser ihrer Botschaft sein muss. Im Blick  auf die Gegenwart sind damit zunchst die Priester und Bischfe angesprochen, aber in einem abgeschwchten Sinn ist damit ein jeder  von uns angesprochen, denn durch die Taufe und durch die Firmung  nehmen wir alle teil an der apostolischen Sendung der Kirche, und  jeder Einzelne trgt Verantwortung fr die Verkndigung der Botschaft Christi, fr die Fortsetzung seines Werkes in der  Welt.

*

Jesus sendet die Jnger zu zweit aus. In brderlicher  Gemeinschaft sollen sie das Evan- gelium von der Liebe Gottes  verknden, nicht gegeneinander, sondern miteinander. Das Evangelium,  das sie zu verknden haben, ist nicht eine Theorie oder eine  Philosophie, die man distanziert vortragen kann, sondern eine Botschaft, die gelehrt und gelebt wer- den muss. Prediger, die sich nicht bemhen, das zu leben, was sie verknden, waren schon immer  ein rgernis vor Gott und vor den Men-schen. Das gilt heute in  gesteiger- tem Mae, da die Kluft zwischen der christlichen Verkndigung und der Verwirklichung dieser Verkndigung im Leben  grer geworden ist, grer geworden zu sein scheint. Das Wort der  Verkndigung kommt nur dann an, wenn es berhaupt noch ankommt, wenn  es veranschaulicht wird durch das eigene Leben. Denn immer geht es  in der Ver- kndigung um ein persnliches Zeugnis, nicht um einen  distanzierten Vortrag. Immer gilt hier: Wichtiger als kluge  Darlegungen ist das gelebte Leben. Die, die schne Worte machen knnen, sich aber selber nicht danach richten, heien in der Bibel Phariser. Das Wort der Verkndigung der Kirche ist nicht zuletzt  deswegen heute oft sehr unwirk- sam, weil es im Prediger selber  unfruchtbar bleibt. Und wir alle treffen allzu oft auf taube Ohren  mit der Botschaft Christi und seiner Kirche, weil sie in unserem eigenen Leben so wenig wirksam wird.

Die Jnger Jesu werden zu den Menschen gesandt wie Schafe unter  die Wlfe. Gewiss gibt es in der Welt nicht nur Wlfe. Aber neben vielen Gutwilligen und neben noch mehr Gleichgltigen und Abgestumpften gibt es eine nicht geringe Zahl von Wlfen. 

Das, was den Wolf charakterisiert, das ist seine Wildheit, seine Gier, seine Gewalt, seine Grausamkeit, zugleich aber auch seine  Verschlagenheit und seine Schlue. Gern ver- stellen sich die Wlfe in ihrer Verschlagenheit. Sie kommen in Schafskleidern, sind aber in Wirklichkeit reiende Wlfe. So stellt Jesus einmal fest in einem  anderen Zusammen- hang (Mt 7,15).

Die Apostelgeschichte erzhlt uns, wie Paulus bei einer  Abschiedsrede vor den ltesten der Gemeinde von Ephesus unter Trnen  erklrt: Reiende Wlfe werden unter euch kommen (Apg 20,29). Das Evangelium von der Liebe und vom Frieden muss in einer grausamen  Welt verkndet werden, in einer Welt, die sich wehrt gegen diese  Botschaft. 

Das Bild vom Wolf will uns daran erinnern, dass den Boten des  Evangeliums in der Welt Feindseligkeit begegnet, dass sich die Welt  wehrt gegen die Botschaft Christi und seiner Kirche. Geschieht das  nicht, wehrt sich die Welt nicht mehr gegen das Evangelium, m- ssen wir uns fragen, ob unsere Verkndigung noch authentisch ist, ob aus  unserem Evangelium in Wirklichkeit nicht so etwas wie ein zweiter  Aufguss geworden ist, ob es nicht seine innere Kraft verloren  hat.

Die Methoden der Wlfe ndern sich mit den Zeiten. Heute zerreien sie ihre Opfer vor allem geistigerweise. Sie machen sie etwa unmglich mit Hilfe der Massenmedien. Na- trlich tun sie das  stets im Schafspelz, im Unschuldskleid des guten Menschen, oft in moralischer Entrstung oder gar in der anspruchsvollen Pose des  Propheten. 

Daraus ergibt sich ein dritter Gedanke in diesem Zusammenhang: Die Kehrseite des Evangeliums ist der Gerichtsernst. Das Evangelium  wird dem zum Gericht, der es zu- rckweist oder der es bekmpft. Das  Evangelium wird dem Einzelnen zum Segen oder zum Fluch, zum Frieden oder zum Untergang, zum Leben oder zum Tod.

Das mssen wir sagen und wissen. Das drfen wir nicht  unterschlagen. Wir drfen die klare Sprache des Evangeliums nicht  vernebeln, etwa in dem Sinne: Es ist alles halb so schlimm. Recht  besehen ist es schlimmer als man denkt, immer. In diesem Leben fllt  fr uns die Entscheidung fr die ganze Ewigkeit. Jeder bekommt von Gott das, was er will. So ernst nimmt Gott den Menschen. 

Und noch ein letzter Gedanke aus dieser unserer Mahnrede Jesu an seine Jnger: Der Jnger muss in Armut, in innerer Distanz von den Dingen dieser Welt, seiner Berufung leben. Ein besonderer Ausdruck der hier geforderten Armut ist die priesterliche Ehelo- sigkeit. Sie hat viele Aspekte, aber nicht zuletzt ist sie so gemeint. Die hier geforderte Armut darf nicht berspielt oder nur missmutig angenommen  werden, etwa als ein notwendiges bel, vielmehr muss sie innerlich  bejaht und in dankbarer Freude ange- nommen werden. Dann schafft sie  die Freiheit fr Gott beim Verknder und beim Hrer die berzeugung  und den dankbaren Glauben. Die Armut, die Distanzierung des Jn-  gers Jesu von den Dingen, erhlt ein besonderes Gewicht in einer  konsumbesessenen Welt. Der Jnger Jesu wird zu einer Karikatur, wenn  er ein brgerlich behagliches Leben fhrt in dieser Welt. Das gilt  vor allem fr jene Jesus-Jnger, an die die Mahn- rede unseres  Evangeliums in erster Linie gerichtet ist.

*

Die Jnger kehrten, wie wir in diesem Evangelium erfahren, heim  von ihrer ersten Missi- onsreise in groer Freude. Das erinnert uns  daran und besttigt es uns: Gott belohnt die Hingabe seiner Zeugen. Das tut er immer wieder aufs Neue. Wer sich dem Dienst Gottes ohne Vorbehalt hingibt, der empfngt schon in diesem Leben kniglichen  Lohn. Es gibt kein tieferes Glck als jenes, das Gott denen schenkt, die sich vorbehaltlos in seinen Dienst stellen. Die Heilige Schrift spricht von dem hundertfltigen Lohn, den sie emp- fangen, schon  jetzt, in dieser Welt, wenn auch unter Verfolgungen (Mk 10,30). Gott  lsst sich an Gromut nicht bertreffen. Das muss man erfahren haben. Und jeder kann es erfahren, wenn er sich dem Ruf Gottes  stellt. Amen.  

 

Predigt zum 13. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  27. Juni 2004 
in Freiburg, St. Martin

Drei Mnner wollen Jesus nachfolgen -  wahrscheinlich waren  es noch jngere Mnner -, und Jesus erklrt ihnen, was das fr sie bedeutet, welche Bedingungen sie damit beja- hen mssen. Es wird  nicht gesagt, ob sie die Einladung Jesu angenommen haben. Es ist  indessen anzunehmen, dass sie ihm gefolgt sind von dieser Stunde an. Aber darauf kommt es hier nicht an. Hier kommt es an auf die Bedingungen der Nachfolge.

Es gibt viele solcher Berufungsgeschichten in den Evangelien. Sie  sind fr uns aufge- zeichnet worden, damit wir wissen, in welcher  Gesinnung wir Jesus nachfolgen sollen, welche Gesinnung wir haben mssen, damit wir ihm in rechter Weise nachfolgen kn- nen.

Wenn hier von Berufung die Rede ist, denken wir mit Recht  zunchst an die Berufung zum Priester- und Ordensstand. Aber in die Jngerschaft Jesu und damit in die Nach- folge Christi ist ein jeder  von uns gerufen. Darauf weist uns die Lesung hin. Alle Men- schen sollen seine Jnger werden. Wir mssen unterscheiden zwischen der  allgemei- nen Berufung und der besonderen, es gibt die besondere  und die allgemeine Beru- fung.

Auf die Nachfolge Jesu Christi, darauf kommt es an, fr uns alle.  Sie ist eine Frage des Heiles fr uns und gegebenenfalls auch des Unheils, je nach dem Ma unserer Einsicht.

Wie Gott im Alten Bund die Propheten berufen hat, so beruft Jesus  im Neuen Bund die Jnger, uns alle, einen jeden von uns, in seinen Dienst. Er tut das mit der gleichen Un- bedingtheit, mit der Gott im Alten Bund die Propheten berufen hat.

ber die Gesinnung, die uns beseelen muss in der Nachfolge Jesu  Christi, in der beson- deren wie auch in der allgemeinen, darber wollen wir heute morgen nachdenken im Anschluss an das Evangelium.

*

Der Jnger Jesu muss die Heimatlosigkeit des Meisters teilen.  Darauf weist Jesus den Ersten von den Dreien hin. In der Zeit seines  ffentlichen Wirkens hatte Jesus kein Ob- dach. In der Regel verbrachte er da auch die Nchte im Freien. Davon mssen wir aus-  gehen. Nachdem er Nazareth verlassen hatte, hatte er keine Heimat  mehr.

Aber, was schwerer wiegt, das war die innere Heimatlosigkeit, in die er hineingestoen wurde, die wachsende Feindseligkeit, die ihm entgegenschlug, das war die Ableh- nung, der Hass, die  Zurckweisung, das Misstrauen, worin sich seine Lage zuspitzte und  worin sich sein Leiden und Sterben vorbereitete.

In der ueren und inneren Heimatlosigkeit Jesu erkennen wir,  dass er nicht von dieser Welt war, dass sein Herz bei Gott war, von dem er ausgegangen war, dass sein irdisches Leben nur Vorbergang  war.

Das ist die erste Bedingung fr die Nachfolge Jesu, die Teilnahme  an seiner ueren und inneren Heimatlosigkeit. 

Eine zweite Bedingung fr diese Nachfolge ist die  Entschlossenheit. Darauf wird der Zweite von den drei Berufenen hingewiesen. Unmittelbar muss er Jesus folgen. Keinen Augenblick darf er zgern. Nicht einmal die gewhnlichen Pflichten der Piett darf er vorher erfllen.

Wie Gott im Alten Testament den Menschen mit Beschlag belegt,  gewissermaen, ohne ihn zu fragen, ohne mit ihm darber zu diskutieren, so tut es Jesus im Neuen Testa- ment und stellt sich  damit gleichsam neben Gott. Er will den ganzen Menschen, und er will  ihn unwiderruflich. Wer Jesus nachfolgen will, muss das sogleich tun, nicht morgen oder spter. Sonst knnte es sein, dass es dann zu  spt ist. Angesichts des Rufes Jesu kann man also nicht erst noch dieses oder jenes tun oder gar warten, bis man alt gewor- den ist, dem Ruf Jesu muss man sofort folgen.

Eine dritte Bedingung fr die Nachfolge Jesu ist die Entschiedenheit. Der Dritte der drei im Evangelium Berufenen, er wird aufgefordert, alle irdischen Bindungen abzustreifen. Er darf  nicht einmal mehr zurckschauen. Alle Brcken muss er abbrechen, sofort. Nie- mand kann zwei Herren dienen (Mt 6,24; vgl. Lk 16,13). So sagt es Jesus lapidar. Alle irdischen Bindungen mssen zurckstehen, unter Umstnden, wenn es um die Jnger- schaft geht. Das ist der gleiche Gedanke, den Jesus einmal uert, wenn er sagt,  er sei gekommen, das Schwert zu bringen (Mt 10,34), wenn er von der Scheidung der Men- schen spricht, die er mit seiner Person bringt,  von den familiren Auseinandersetzun- gen, die um seiner Person willen gefhrt werden.

Es geht hier um die Entschiedenheit im Hinblick auf die Nachfolge  Jesu. Sie meint die Ganzheit der Entscheidung und die Abkehr von jeder Halbheit.

Drei Bedingungen setzt Jesus fr die Nachfolge, um die Gesinnung zu beschreiben, die der Jnger haben muss, um die Gesinnung  vorzustellen, die ihn beseelen muss, ob es nun um die besondere  Nachfolge geht oder um die allgemeine. Wir mssen teilhaben an  seiner Heimatlosigkeit, und wir mssen dabei entschlossen und entschieden sein.

An seiner Heimatlosigkeit halten wir fest, wenn wir uns immer vor  Augen halten, dass wir auf Erden keine bleibende Sttte haben, dass unser irdisches Leben vergnglich ist, vorlufig, dass wir fr die  Ewigkeit leben. - Das vergessen wir allerdings oft, allzu oft. Wir  richten uns in dieser Welt ein, als ob wir sie nie mehr verlassen  mssten. Zum einen ist das ist tricht, und zum anderen macht uns das leichtsinnig. Haben wir die Ewigkeit vor Augen, so werden wir  auch recht zu leben wissen. Viele wissen nicht recht zu leben, weil sie die Ewigkeit vergessen haben oder weil sie sie einfach leugnen.

Entschlossen sind wir, wenn wir das Wichtige in unserem Leben  nicht vor uns herschie- ben, wenn wir unsere natrliche Trgheit berwinden, wenn wir nicht immer wieder Gott Versprechungen machen, um sie nicht zu erfllen. Schon in der Erfllung unserer irdischen Aufgaben sind wir oft sehr unentschlossen, um wie viel mehr in der Erfllung unserer religisen Pflichten. In der treuen Erfllung  unserer irdischen Aufgaben ben wir die treue Erfllung unserer  religisen Pflichten ein.

Gott erwartet, dass wir ihn heute suchen, er erwartet, dass wir  seine Stimme heute hren (Psalm 94,8), dass wir uns heute in die  Nachfolge Jesu Christi begeben. Immer wieder ist in der Heiligen Schrift die Rede von diesem Heute. Die Entschlossenheit der  Nachfolge meint, dass wir uns jeden Tag neu in sie  hineinbegeben.

Und die Entschiedenheit: Ihr steht unsere Halbheit entgegen, unsere Halbherzigkeit, unsere Inkonsequenz, unsere Versuchung, auf zwei Hochzeiten zu tanzen und uns eine Hintertr offenzuhalten. Da  suchen wir zwar die Anerkennung Gottes, wollen aber auf die Anerkennung der Menschen nicht ganz verzichten. 

Wie verbissen diese Unentschiedenheit oft sogar verteidigt wird, das erleben wir immer wieder in der Politik wie auch im kirchlichen  Leben, aber auch in unserem Alltag erle- ben wir das, wenn wir nur  recht hinschauen.

Das Wort Jesu ist da eindeutig: Wer die Hand an den Pflug legt,  der braucht gar nicht erst zu beginnen mit der Nachfolge (vgl. Lk 9,62).

Natrlich ist die Entschiedenheit heute schwerer angesichts des  Jahrmarktes der Mei- nungen, die vorgetragen werden und angesichts  der Saat des Misstrauens, die gest wird. Aber wir mssen uns klar machen: Erst durch die Entschiedenheit der Jnger Jesu - die Jnger Jesu aber, das sind wir - erhlt die Kirche ihr Gesicht und ihre Glaubwrdig- keit, durch deren Unentschiedenheit aber verliert sie  Beides.

Entschieden mssen wir sein im Glauben, entschieden aber auch in der Moral und in der Erfllung der Gebote Gottes. Der Abfall, die Untreue, beginnt stets mit der Halbheit. 

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Die Nachfolge, in der wir die innere und uere Heimatlosigkeit  Christi in seinem Erden- leben teilen in Entschlossenheit und Entschiedenheit, das verlangt Mut von uns. Christus verspricht uns indessen nicht ein behagliches Leben, aber ein erflltes Leben verspricht er uns. Er sagt: Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis, sondern hat das Licht des Lebens (Joh 8,12). 

Am vergangenen Donnerstag haben wir das Fest des heiligen  Johannes des Tufers ge- feiert. Er war der letzte Prophet des Alten  Bundes und zugleich der erste des Neuen Bundes. Seine Leben in der Nachfolge ist beispielhaft. Er teilt Jesu Heimatlosigkeit in letzter  Entschlossenheit und in letzter Entschiedenheit, in absoluter Treue bis hinein in die Einsamkeit des Kerkers und des Martyriums. Amen.

 

Predigt zum 12. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  20. Juni 2004 
in Freiburg, St. Martin

Jnger Jesu sein, das bedeutet in der Sprache der Evangelien:  sich zu Jesus und zu seiner Botschaft bekennen, ihm und seiner Botschaft Glauben schenken. Ein Teil der Jnger - so berichten die  Evangelien - folgte Jesus nach und zog mit ihm durch die Stdte und Drfer, in denen er seine Botschaft verkndete, aber nicht alle taten das. Jnger Jesu sein, das bedeutet jedoch nicht  nur Jesus Glauben schenken, das bedeutet nach Auskunft der  Evangelien auch, egal ob man das Wanderleben Jesu teilte oder nicht, die Nachahmung seines Lebens und die Schicksalsgemeinschaft mit ihm.  Das geht klar hervor aus den Evangelien: Wer Jesus und seiner Botschaft Glauben schenkt, wer somit ein Jnger Jesu geworden ist,  der muss das Leben dieses Jesus nachahmen und sein Schicksal mit ihm  teilen. Schicksalsgemeinschaft, das bedeutet hier Leidens- gemeinschaft, in erster Linie. 

In diesem Sinne ruft Jesus alle in seine Nachfolge, damals direkt, in seiner Person, heu- te indirekt, durch seine Kirche.  Dieser Ruf ist indessen mehr als eine Einladung, er ist fr den Einzelnen eine Frage von Heil und Unheil, fr Zeit und Ewigkeit. Demgem erklrt  der Auferstandene seinen Jngern nach seiner Auferstehung: Wer glaubt und sich tau- fen lsst, wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden (Mk 16, 16).

Die Evangelien verbinden das Jngersein, den Glauben an Jesus, die Nachahmung seines Lebens und die Schicksalsgemeinschaft mit ihm, mit dem Begriff der Selbst- verleugnung. Davon ist die Rede im  Evangelium des heutigen Sonntags (Lk 9,23; vgl. Mk 8,34; Mt 16,24). Zum Jngersein gehrt die Selbstverleugnung, immer und in jedem  Fall.

*

Jesus selber hat diese Selbstverleugnung gebt, immerfort, in  seinem Leben und in seinem Sterben, unbertroffen, in beispielhafter  Weise. Niemals hat er sich selbst ge- sucht, immer ging es ihm um den Willen seines Vaters im Himmel. So nannte er Gott, derweil er  sich selber als Gott bekannte, indem er immer wieder gttliche  Attribute fr sich in Anspruch nahm. Er hat nicht seinen eigenen  Willen erfllt, sondern den Willen seines Vaters im Himmel. Der  Wille des Vaters war ihm gar bedeutsamer als das eigene Leben. Genau  das meint der Begriff der Selbstverleugnung.

Der Jesus der Evangelien, er hat ganz abgesehen von seiner eigenen Person, in idealer Weise. Nie hat er sich selbst gesucht. Gleichgltig waren ihm die Reichtmer dieser Welt, gleichgltig waren ihm die Annehmlichkeiten des Lebens, gleichgltig war ihm die  Anerkennung und die Ehre bei den Menschen. Er war in hchstem Mae sachlich, das heit: Ganz und gar war er von der Sache bestimmt. Niemals konnten Menschen seinen Blick trben, das konnte weder die eigene Person noch konnten das die Perso- nen, die ihm begegneten.  Der Wille des Vaters bedeutete ihm gar mehr als das eigene Leben. In  diesem Geist nahm er auch am Ende seines Erdenlebens das Kreuz und die Passion auf sich.

Weil er nicht sich selbst suchte, sondern ganz und gar seinem  Auftrag hingegeben war, Gott und den Menschen zu dienen, darum war sein Leben ein Leidensweg, nicht erst am Ende, schon von Anfang an, darum war sein Leben ganz und gar bestimmt von der selbstlosen  Hingabe, eben von der Selbstverleugnung. - In seiner  Selbstverleugnung ist dieser Jesus das Modell unseres  Christseins.

Wenn wir ihm und seiner Botschaft Glauben schenken, wenn wir in  ihm den Boten Gottes, ja, Gott selber glubig anerkennen, dann mssen wir ihn nachahmen und die Gemeinschaft seines Lebens suchen, im Geist der Selbstverleugnung, dann mssen wir uns beherrschen und  Disziplin ben in unserem Leben, dann mssen wir unsere eige- nen Wnsche und Neigungen zurckstellen und tglich unser Ja zum Willen  Gottes erneuern.

Der Jnger Christi muss die Gemeinschaft mit Christus in seinem  Leben suchen und in seinem Sterben, mit ihm den Weg der  Selbstverleugnung oder des Kreuzes gehen.

Das ist mehr als beten und in die Kirche gehen - darauf verkrzt sich oft das Christen- leben, wenn es nicht gar nur noch im Kirchensteuer-Zahlen besteht.

Um die Nachahmung Christi, um die Gemeinschaft mit ihm im Leben  und im Sterben, darum geht es in unserem christlichen Glauben, und davon hngt unser Heil ab fr Zeit und Ewigkeit. 

Die Selbstverleugnung gehrt mitten in das Evangelium Jesu Christi hinein. Das Chri- stentum verliert seine Kraft, es wird zu einer Allerweltsphilosophie, wenn das vergessen oder nicht mehr  beachtet wird.

Gerade an diesem Punkt liegt die Verkndigung der Kirche heute vielfach im Argen. Oft hat man den Eindruck, und zuweilen wird es gar auch gesagt, die Kirche habe die Auf- gabe, uns das Leben  angenehmer zu machen, pflichtenloser und lustvoller, so msse sie eine - wie man sagt - menschliche Kirche werden oder eine Kirche  mit menschli- chem Antlitz. In Wirklichkeit wird sie da zum Opium des Volkes, zu einem verhng- nisvollen Schlafmittel fr die Menschen.

Wenn von der Selbstverleugnung nicht mehr die Rede ist, verliert die Kirche den Kern ihrer Botschaft und damit ihre eigentliche Kraft. 

Das Kreuz zu verschweigen und die Kirche in die moderne  Spagesellschaft zu inte- grieren, diese Tendenz ist besonders stark im sogenannten Verbandskatholizismus. Sol- che Tne klingen auch  immer wieder an auf Katholikentagen, in den letzten Jahrzehn- ten.  Da hat das Christentum schon lange seine Identitt verloren und mit  ihm seine spirituelle Kraft. Da verbirgt sich der Glaubensverlust  dann hinter markigen Worten, und da tuscht er dann hinweg ber ihn durch endloses Gerede. 

Aktionen sind gut. Aber hinter ihnen muss immer die Passion  stehen. Wenn wir das Kreuz weglassen, verfehlen wir die tiefere Wirklichkeit, ja, die entscheidende Wirklich- keit des Christlichen. 

Dass Jngerschaft Nachahmung Christi und Schicksalsgemeinschaft  mit ihm bedeutet, wird da vergessen, wo man die Moralvorschriften der Kirche als rigide bezeichnet und sie unterluft und ihnen den Anspruch streitig macht, das Gottesgebot zu interpretieren, wo man  sich ein bequemes Christentum zurechtmacht, ein Christentum, das  ganz den Vorstellungen einer entchristlichten Welt entspricht, wo man einen angeblich gtigen Christus gegen eine strenge Kirche ausspielt oder wo man Gottes Gebote als Menschen- satzungen  bezeichnet.

In all diesen Fllen wird vergessen, dass das Christenleben etwas  anderes ist als ein leichter Abendspaziergang. Es wird vergessen,  dass der Wille Gottes fordernd ist, dass die Religion des Kreuzes uns einen steilen Weg auferlegt.

Die Selbstverleugnung, sie ist der Kern des christlichen Weges,  niemand kann uns sie abnehmen. Tun wir es selbst, so betrgen wir uns und gefhrden unser ewiges Heil, tut es die Kirche, so bedeutet  das Verrat an ihrer Sendung. 

*

Wenn wir Christus und seiner Kirche Glauben schenken, fhrt uns  unser Weg nach Jeru- salem, bildlich gesprochen, fhrt er uns in die  Gemeinschaft mit Christus, dem Gekreu- zigten. Aber Jerusalem ist nicht nur die Sttte des Kreuzes und der Passion, es ist auch die  Sttte der Auferstehung. 

Nur wenn wir bereit sind, unser Leben zu verlieren, werden wir es  gewinnen. So heit es wiederholt in den Evangelien (Mk 8,35; Mt  10,39; Lk 9,24 u. .). 

Der Glaube ist die Bedingung des Heiles. Glauben aber bedeutet in  der Sprache der Evangelien in die Jngerschaft Jesu eintreten. Diese aber beinhaltet Nachahmung sei- nes Lebens, Schicksalsgemeinschaft und Gleichgestaltung mit ihm.

Darum finden wir das Heil nicht im Hochmut, in der Anmaung, im  bermut, in der Selbstvergtzung, im Besserwissen, sondern in der  demtigen Unterordnung unter den Willen Gottes, in der treuen Erfllung unserer tglichen Aufgaben oder einfach in der Selbstverleugnung, in der wir Christus nachfolgen und tglich beten: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Amen.

 

Predigt zum 11. Sonntag im Kirchenjahr, gehalten am  13. Juni 2004 
in Freiburg, St. Martin

Man macht immer wieder die Erfahrung, dass elementare christliche  Glaubenswirklich- heiten nicht mehr bekannt sind bei den Mitgliedern der Kirche. Die Zahl der Katholiken, die ihren Glauben nur noch fragmentarisch oder sehr ungenau kennen, die falsche Glaubensvorstellungen oder gar keine Glaubensvorstellungen mehr ber Gott und den Menschen haben, wird immer grer. Vor einiger Zeit  sprach ich mit einem Abiturien- ten, der nach seinen eigenen Angaben  jeden Sonntag in die Kirche ging und schon jahrelang in der kirchlichen Jugendarbeit ttig gewesen war, dem grundlegende reli- gise Wahrheiten unbekannt waren oder der nur sehr vage Kenntnisse ber sie hatte. Dreizehn Jahre hatte er Religionsunterricht gehabt  und weit mehr als 500 Predigten gehrt, und er wusste nur wenig ber  seinen Glauben und vor allem nichts Genaueres. Wie soll man solche Unkenntnis erklren? Hat er nicht gefragt? Hat man es ihm nicht  gesagt? Oder hat er es wieder vergessen? Wie soll man aber  praktizieren, was man nicht kennt?

Das heutige Evangelium handelt von Snde und Vergebung, von Reue und Umkehr, von Heil und Gnade und spricht damit zentrale und  grundlegende Glaubenswirklichkeiten an, Wirklichkeiten, die fr  viele eine terra incognita, ein unbekanntes Land sind. 

*

Von drei Personen ist da die Rede: Jesus unterhlt sich mit einer  Frau und mit einem Mann, mit einer Snderin und mit einem Phariser.  Eigentlich sind sie beide Snder, wenngleich nur die Frau sich dazu  bekennt, whrend der Phariser sich fr gerecht hlt. Er verachtet  die Frau und erhebt stolz sein Haupt, er tuscht sich darber hinweg, dass er eigentlich verchtlicher ist als die Frau. Denn  Hochmut und Selbsttuschung sind die schlimmsten Snden. Schwerer als alles wiegt vor Gott die Selbstgerechtigkeit, die berzeugung  von der eigenen Sndenlosigkeit. Das ist deshalb so, weil der Stolz die Reue und die Umkehr verhindert, derer wir alle immer wieder bedrftig sind. 

Es ist eine der Grundaussagen in der Verkndigung Jesu, dass wir Snder sind, wir alle. Die Snde ist das Hauptthema Jesu, anders als  das heute in der Verkndigung der Kir- che der Fall ist. Wir sind heute eben sehr in der Gefahr, dass wir uns mehr von den eige- nen Ideen inspirieren lassen als von den klaren Aussagen der Offenbarung.

Die Snde hat die Missachtung des gttlichen Gebotes zum Inhalt, und sie trennt uns von Gott. Dabei gibt es verschiedene Grade von Snden. Diese hngen ab von der Tat und von der Gesinnung. Sie bewegen sich in zwei grundlegenden Kategorien, sofern wir schwere  und lssliche Snden unterscheiden. Die schwere Snde zieht den  Heils- verlust nach sich. Sie zerstrt das Gnadenleben, die  heiligmachende Gnade. Wer in der schweren Snde stirbt, ist  verloren, fr immer. Gewiss, Gott ist barmherzig, aber nur dann,  wenn der Mensch umkehrt. Denn Gott nimmt uns ganz ernst in unserer  Freiheit. Er selber hat sie uns ja gegeben. Und wenn wir sie missbrauchen, wenn wir Gott durch unser Leben verneinen, so sprechen  wir uns selbst das Urteil, gegebenenfalls fr die ganze Ewigkeit. Es kommt die Nacht, sagt Christus im Johannes-Evangelium, in der  niemand mehr wirken kann (Joh 9,4).

Wenn wir in der Verneinung Gottes verharren, bereiten wir uns  eine unbeschreiblich trostlose Ewigkeit. Dann gilt uns das  Jesus-Wort: Besser wre es fr jenen Menschen, er wre nicht geboren (Mt 26,24).

Daher ist das Gebet um eine gute Sterbestunde und um die Gnade der Beharrlichkeit wichtiger als alle anderen Gebete. 

Das Evangelium des heutigen Sonntags spricht nicht nur von der Snde, es spricht auch von der Umkehr. Die Snderin kehrt um, whrend der Phariser in seiner Snde ver- bleibt. Ausdruck ihrer Umkehr ist die Liebe, die sie Jesus entgegenbringt. Sie ahnt, dass dieser mehr ist als ein Mensch. Diese Ahnung wird ihr zur Gewissheit, als er ihr in sei- nem eigenen Namen die Snden vergibt.  Denn nur Gott kann Snden vergeben, der, der durch die Snden beleidigt wird. Das wei sie.

Die Frau im Evangelium drckt ihre Umkehr aus durch die Liebe, die sie Jesus entge- genbringt. Umkehr zu Gott gibt es nur in der Gestalt der Liebe. Diese Liebe aber muss fruchtbar werden in dem  entschlossenen Willen, alles zu tun, was Gott von uns verlangt. Darin erweist sie sich als echt. Es geht hier um die treue Erfllung des Willens Gottes in der Nachfolge Christi. Dazu gehrt auch das  Bekenntnis der Snden im Busakrament und die Vergebung durch die  Kirche, die diesen Auftrag und diese Vollmacht von Gott empfangen hat, dazu gehrt auch das Bekenntnis der Snden im Busakrament und  der immer wieder neue Anfang im Zeichen dieses Sakramentes.

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Der Frau im Evangelium wird alles vergeben, weil sie umkehrt und in grenzenloser Liebe vor Gott hintritt. Bei ihr gibt es keine Spur  von Hochmut und Selbstgerechtigkeit. Sie wei um ihre Unwrdigkeit vor Gott und um ihre Hilfsbedrftigkeit. Sie ist geradezu ein Bild der Demut. Ihre Liebe, die Gestalt ihrer Umkehr, besteht nicht nur in Worten. In ihrer Liebe ist sie bereit, nicht nur alles zu sagen,  sondern auch alles zu tun, was Gott von ihr verlangt. Von ihrem  ferneren Leben spricht das Evangelium nicht mehr, aber mit  Sicherheit ist sie in ihrer Begegnung mit Jesus eine andere  geworden.

Die Snderin muss uns ein Vorbild sein in ihrer Demut und in ihrer Umkehr. Der selbst- gerechte und stolze Phariser aber muss  uns als ein warnendes Beispiel dienen. 

 

Predigt zum Fronleichnamsfest 2004, gehalten am 10.  Juni 2004 
in Freiburg, St. Martin

Wir feiern heute die Einsetzung des hochheiligen Sakramentes des Altares, wir feiern das groe Geheimnis des Grndonnerstags. Wir denken dabei an die erste heilige Messe, die Jesus im Kreise seiner Jnger gefeiert hat, das war am Abend vor seinem Leiden, und wir tun  das in Dankbarkeit. Die Frucht der heiligen Messe ist der Leib des  Herrn, die immer neue Gegenwart des auferstandenen Christus in der  eucharistischen Speise. Diese Speise tragen wir heute durch die Straen und durch die Felder in dankbarer Freude, um Gott zu ehren  und seinen Segen auf unsere Welt herabzurufen, und um ihn zu bitten,  dass er uns strkt im Glauben, damit wir seine Zeugen sein knnen in dieser Welt.

Fronleichnam nennen wir diesen festlichen Grndonnerstag.  Fronleichnam bedeutet soviel wie der ehrwrdige Leib des Herrn.

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Im heiligen Sakrament des Altares  kommt Gott immer wieder zu uns in sichtbarer Gestalt. In ihm wird immer wieder das Opfer des Kreuzes gegenwrtig in dieser Welt im Geheimnis irdischer Gaben, die verwandelt werden in den Leib und in das Blut Jesu Christi, unseres  Erlsers. Und wir drfen diesen Christus in sichtbarer Gestalt empfan- gen, um in ihm unser zeitliches und unser ewiges Heil zu  finden und um in ihm die Kraft zu erhalten fr ein Leben in der Nachfolge Christi.

Das II. Vatikanische Konzil bezeichnet diese Feier als die Quelle  und den Hhepunkt von allem, was unser Leben als Christen betrifft (Lumen gentium, Nr. 11; Presbyterorum ordinis, Nr. 5 f; Ad gentes,  Nr. 9). Krzlich hat uns unser Heiliger Vater, Johannes Paul II., eine Enzyklika ber diese Feier geschenkt und darin seine Darlegungen begonnen mit den Worten: Die Kirche lebt aus der Eucharistie (Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, Nr. 1). Wir  mssen uns fragen, ob dass auch fr uns gilt, fr uns persnlich. So  msste es eigentlich sein, denn wir alle sind ja die Kirche.

Schon in der Urgemeinde von Jerusalem war die Feier der  Eucharistie die Mitte des Gemeindelebens. Man feierte sie am ersten  Tag der Woche, dem Gedenktag der Auferstehung des Herrn, dem Sabbat des Neuen Bundes. Spter feierte man sie an allen Tagen der Woche. Dabei behielt aber die sonntgliche Feier der Eucharistie einen  besonderen Stellenwert. Am Sonntag kamen nmlich alle zusammen, die  glubig geworden waren, und die, die auf dem Lande wohnten, nahmen weite Wege in Kauf, um dabei sein zu knnen. Sie wollten dabei sein,  wenn das Gedchtnis der Heilstaten Christi gefeiert wurde, mit denen  eine neue Epoche der Geschichte begonnen hatte und die ihr Leben  radikal umgestaltet hatten. Diese Feier war fr sie der Hhepunkt der ganzen Woche. Alle nahmen daran teil. Das war so  selbstverstndlich, dass es nicht der Einschrfung durch ein Gesetz  bedurfte. Das war erst spter notwendig. Von Anfang an galt die  sonntgliche Eucharistiefeier als  die Mitte des  Christenlebens, so sehr, das man die Christen in alter Zeit gern als  die dominicantes bezeichnete, als die, die den Sonntag hielten, die ihn lebten und ihn als Christen feierten.

Heute bleiben viele dem Sonntagsgottesdienst fern. Es ist die  berwiegende Mehrzahl der Glieder der Kirche, die heute der  sonntglichen Eucharistiefeier fernbleibt. Das hat es so noch nie gegeben in der zweitausendjhrigen Geschichte der Kirche.

Fr viele hat der Sonntag seine christliche Bedeutung vllig verloren. Damit hat er fr sie allerdings auch jeden Glanz  eingebt, ist er nchtern und alltglich geworden. Fr viele ist er ein ausgesprochen fauler Tag geworden.  

Vor einiger Zeit wurden Kinder gefragt, was sie am Sonntag gemacht htten. Und die Antwort lautete: Vor dem Fernsehgert  gesessen! Den ganzen Tag? Ja! Spter erfuhr der Frager, dass die Kinder den ganzen Sonntag im Schlafanzug vor dem Fernsehgert  verbracht hatten, dass sie sich an diesem Sonntag nicht einmal angekleidet hatten. - Das ist, denke ich, nicht einmal ein Einzelfall.

Eine solche Zerstrung des Sonntags gbe es nicht, wenn wir  wssten, wer Gott ist und was es um die Speise ist, die er uns gibt, und was der Inhalt der sonntglichen Eucha- ristiefeier ist, in der  uns die Frchte des Opfertodes Christi zuteil werden. Viele wissen  es, wollen es aber nicht wissen. Sie verschlieen die Augen vor dem, was ihrem Leben wirklich Halt geben wrde.

Die Nivellierung des Sonntags oder die Zerstrung dieses Tages ist das Ergebnis  unse- res schwachen oder unseres schon gnzlich verloren gegangenen Glaubens. Da gibt es keinen Zweifel. Die Folgen dieses Tatbestandes aber sind unabsehbar, fr den Einzel- nen und fr die menschliche Gemeinschaft, denn ohne den Glauben  fehlt uns die Mitte, uns persnlich und der menschlichen Gemeinschaft, in der wir leben.

Schon heute beherrscht uns die Zgellosigkeit, deren Nhrboden die Erfahrung der Sinnlosigkeit von allem ist und der berdruss und  die Verzweiflung, und morgen  breitet sich mehr und mehr das Chaos aus, in allen Bereichen. Die Vorboten dieses Zustandes tyrannisieren uns bereits heute.

Ohne die Religion, ohne das Christentum, wie wollen wir so ein menschenwrdiges Leben fhren? Wenn alle Sttzen unseres Lebens zusammenbrechen - oder wenigstens die entscheidenden - und die Verantwortungslosigkeit der Menschen immer grer wird? Und das in einer Welt, die immer komplizierter wird?

Die rechte Feier des Sonntags muss heute das A und O der Sorge der Kirche und unser aller Sorge sein. Ohne eine Schrfung des  Gewissens in diesem Punkt wird der Kult des Diesseits uns zugrunde richten.

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Es geht bei der Eucharistie, bei der heiligen Messe, bei dem Geheimnis des Brotes und des Weines, bei dem Geheimnis jener  Gestalten, die in dieser Feier in den Leib und in das Blut des  Erlsers verwandelt werden, um das zarteste Geheimnis unseres Glaubens. Wir knnen es gar nicht genug mit Ehrfurcht umgeben. Ehrfurcht, damit ist jene liebende Scheu und jene scheue Liebe  gemeint, die wir Gott und der jenseitigen Welt entgegen- bringen, jener Welt, die unsere Zukunft ist. Die Ehrfurcht ist die Mutter des Glaubens. Sie geht aus dem lebendigen Glauben hervor, und sie bewahrt ihm seine Lebendigkeit.

Ausdruck unserer Ehrfurcht ist die Anbetung dieser Speise. Aber  dabei drfen wir es nicht bewenden lassen. Die Ehrfurcht muss unsere ganze Haltung bestimmen gegenber dieser Speise. Im Angesicht dieses  Geheimnisses muss sie den inneren Menschen pr- gen und den ueren. Zu unserem Menschsein gehrt nicht nur unsere Seele, auch der Leib gehrt dazu.

Vor allem verfehlen wir uns gegen die Ehrfurcht, die wir dieser  Gabe Gottes schulden, wenn wir sie gedankenlos empfangen.

Im Zusammenhang mit der ersten Eucharistiefeier wird uns von der Fuwaschung Jesu berichtet. Jesus wusch seinen Jngern die Fe.  Damit wollte er ihnen eine Lehre erteilen ber den demtigen Dienst, wollte er sie auf den Weg der Demut fhren. Aber nicht nur das, er  wollte ihnen damit auch zu verstehen geben, dass fr das euchari- stische Mahl die Reinheit des Herzens unerlsslich ist.

Die Eucharistie ist ein Sakrament der Lebenden, ein Sakrament, das den Gnadenstand voraussetzt. Es kann nur zur Wirkung kommen, wenn die Seele dafr disponiert ist. Diese Disposition besteht im Freisein von schwerer Verfehlung. Darauf hat unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., in den letzten Jahren immer wieder  nachdrcklich hingewiesen. 

In der Lesung dieser heiligen Messe werden wir aufgefordert, uns selbst zu prfen, ehe wir zum Tisch der Eucharistie schreiten, unsere innere Verfassung einer Prfung zu unterziehen, damit wir uns nicht das Gericht essen und trinken (1 Kor 11, 27).

Unter Umstnden mssen wir daher das Busakrament empfangen, bevor wir diese geheimnisvolle Speise genieen. Die innere Beziehung zwischen dem Sakrament der Vershnung und dem Sakrament der Eucharistie, bei vielen spielt sie keine Rolle mehr. Da wird jedoch  etwas getrennt, das wesentlich zusammengehrt.

Nicht nur die Prfung und die Anbetung sind hier unerlsslich, damit das Sakrament fruchtbar werden kann. Hinzukommen muss das  Leben aus dem Glauben, die treue Erfllung der Gebote Gottes, die gelebte Christusnachfolge.

Die Gabe ist zugleich auch Aufgabe und Verpflichtung. So ist es  im Grunde immer bei den Gaben Gottes. Immer, wenn Gott etwas schenkt, verpflichtet das den Beschenkten. Er muss sich des Geschenkes wrdig erweisen und es fruchtbar machen in seinem Le- ben.

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Die Eucharistie ist die Mitte und der Hhepunkt der Kirche Christi seit ihren Urtagen. Von Anfang an gehrt sie einfach zum Sonntag dazu, zum Sabbat des Neuen Bundes, zum Tag des Herrn. In ihr  feierte man die Grotaten der Erlsung, den Tod und die Aufer-  stehung des Erlsers. Die Verbindung der Sonntagsfeier mit der eucharistischen Feier wurde so zentral gesehen, dass man das  Christsein von daher definierte. 

Ohne die Feier des Sonntags verkmmert unser Glaube, und der schwindende oder verlorene Glaube zerstrt diesen Tag, und er fhrt uns in eine abenteuerliche Zukunft.

Die eucharistische Feier aber muss mit immer grerer Ehrfurcht  umgeben werden. Und die Gabe dieser Feier darf nicht leichtfertig  genossen werden. Amen. 

 

Predigt zum Dreifaltikeitsfest 2004, gehalten am 6.  Juni 2004 
in Freiburg, St. Martin

Die tiefste und entscheidende Wahrheit des Christentums - oder besser: die tiefste und entscheidende Wirklichkeit des Christentums  - ist die des dreifaltigen Gottes: Ein Gott existiert in drei  Personen. Wrden wir fragen, was das Christentum inhaltlich von allen anderen Religionen unterscheidet, so msste die Antwort  lauten: Die Wahrheit von der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die  Wirklichkeit des in drei Personen existierenden einen Gottes. Darin  ist der ganze christliche Glaube eingeschlossen: Die Erschaffung der  Welt, die Erlsung der Menschen und ihre Heiligung durch die Kirche.

Dieses Geheimnis feiern wir heute, nachdem wir Weihnachten als das Fest des Vaters, Ostern als das Fest des Sohnes und Pfingsten als das Fest des Heiligen Geistes gefeiert haben.

Weil das Geheimnis von der allerheiligsten Dreifaltigkeit das  innerste Wesen Gottes betrifft, deshalb ist es das schwierigste und  dunkelste Geheimnis unseres Glaubens.

Das heit aber nicht, dass hier all unsere Vorstellungen versagen. Etwas knnen wir auch hier verstehen. Die Offenbarung von  etwas, das wir ganz und gar nicht verstehen, ist sinnlos. Zudem  mssen wir denen, die diese Wahrheit belcheln oder als absurd bezeichnen, Rechenschaft geben knnen. Im 1. Petrusbrief werden wir ermahnt, dass wir stets in der Lage sein mssen, unseren Glauben zu verteidigen und das zu recht- fertigen, was uns als  Offenbarung von Gott geschenkt worden ist (1 Petr 3,15). 

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Es drfte sicher sein, einen dreifaltigen Gott htten sich die Menschen nicht ausgedacht. Ein solcher Gott ist nicht fiktiv. So  sollte man meinen. Mit unserem menschlichen Denken erreichen wir ein  hchstes Wesen. Und wir knnen dann, wenn wir unvorein- genommen  weiterdenken, auch noch erkennen, mit unserer Vernunft, dass dieses  hchste Wesen Person sein muss, das heit, dass es sich seiner selbst bewusst sein muss, weil es ja wenigstens die Vollkommenheiten  seiner Geschpfe haben muss. Aber dass Gott ein dreipersnlicher Gott und dennoch nur ein Gott ist, das knnen wir nur durch die  Selbstoffenbarung dieses Gottes erfahren. 

So etwas denken sich Menschen nicht aus, das kann nicht das  Produkt des menschli- chen Geistes sein. Dafr ist es viel zu unanschaulich und vor allem allzu sehr gegen alle Erwartung. Ein dreipersnlicher Gott ist zwar nicht widervernnftig, aber er ist  berver- nnftig, er bersteigt die Vernunft des Menschen um ein  Unendliches.

Von ihm knnen wir nur erfahren, wenn er sich selbst erschliet. Tatschlich hat er das getan in der Heilsgeschichte, allmhlich,  gleichsam sukzessiv. Im Alten Testament klingt das Geheimnis des  dreifaltigen Gottes erst von fern an. Im Neuen Testament aber tritt es immer deutlicher hervor. Da geschieht es, dass Jesus sein  Gleichsein mit dem Vater lehrt und diesen seinen Vater dennoch als  ein Du anspricht und dass er immer wieder vom Heiligen Geist spricht, den er seinen Jngern senden wird.

Jahrhunderte hat man dann noch darber nachgedacht, nachgedacht  im Vertrauen auf den in der Kirche wirkenden Heiligen Geist, bis man  auf dem Konzil von Niza im Jahre 325 jene Formel gefunden hatte, in der man das aussagen konnte, was man schon immer geglaubt hatte,  seit dem Beginn der Ausbreitung des Christentums: Es ist ein Gott in  drei Personen. Damals wurde das sogenannte Niznische Glaubensbekenntnis geschaffen, das wir noch heute beten und das wir im Anschluss an diese Predigt wiederum beten werden.

Es entstanden dann sehr bald auch das Ehre sei dem Vater und dem  Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und  alle Zeit und in Ewigkeit und das Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, zwei noch einmal verkrzte  Glaubensbekenntnisse, Bekenntnisse zum dreifaltigen Gott. Diese beiden Glaubensbekenntnisse, die man zugleich als Gebete verstand,  pflegte man nun  hufig zu wiederholen, um so die entscheidende Wirklichkeit des Glaubens stets vor Augen zu haben und um dem ewigen  Gott auf diese Weise dafr zu danken, dass er uns so hatte teilhaben  lassen an seinem tiefsten Wissen und an der letzten Wirklichkeit seiner Exi- stenz. 

Man pries die drei Personen und verband mit diesem Lobpreis das  Kreuzzeichen, um auszudrcken, dass der dreifaltige Gott uns in diesem Zeichen nahe gekommen ist, dass er sich uns vor allem im  Geheimnis des Kreuzes als der Dreifaltige geoffenbart hat - der Angelpunkt  des trinitarischen Mysteriums ist ja die Gottheit  Jesu - und dass er uns darin zur ewigen Gemeinschaft mit sich berufen hat. Die Menschwerdung Gottes und die Erlsung, sie sind unser Weg zur ewigen Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott.

Der menschgewordene Gottessohn hat uns sein menschliches Leben geschenkt. Wenn wir dem dreifaltigen Gott unser zeitliches Leben schenken, so gibt er uns das ewige zurck. Dazu bekennen wir uns, wenn wir uns zum dreifaltigen Gott bekennen im Zei- chen des Kreuzes.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und  mit dem Kreuzzei- chen beginnen wir all unsere Gebete, und wir beenden sie wiederum mit dem Be- kenntnis zum dreifaltigen Gott im Zeichen des Kreuzes. So sollten wir auch unser Tagewerk beginnen und beschlieen. Haben wir es bisher noch nicht getan, vielleicht tun  wir es von heute an. 

Wir haben in Gott einen Vater, der uns erschaffen hat, wir haben in ihm den Menschge- wordenen, der uns erlst hat, und wir haben in ihm die Kraft des Geistes, das heilige Pneuma, den Geist, der uns geheiligt hat und uns fortwhrend heiligt. So sagt es die Heilige  Schrift. Die Erschaffung, die Erlsung und die Heiligung werden durch die drei Personen gemeinsam gewirkt, aber eine Person tritt dabei jeweils besonders hervor.

Wir knnen das Geheimnis auch anders aussagen: Der Vater ist der Ursprung von allem, der Sohn ist das Bild des Vaters, und der  Heilige Geist ist die Liebe zwischen beiden, die Liebe des Vaters zum Sohn und des Sohnes zum Vater, die Liebe, die zur Person geworden ist. 

Wenn wir so nachdenken ber den dreieinigen Gott, so lsst uns das gleichsam aus der Ferne ahnen, wie das grenzenlose Geheimnis Gottes sich darstellt in der Wirklichkeit. Wir verstehen etwas von  Gott, aber das Geheimnis bleibt. Es rckt uns nher, whrend es uns indessen gleichzeitig immer wieder entschwindet. 

Es zeigt sich uns auch, wenn wir nachdenken ber den dreifaltigen  Gott, dass hier nicht eine Wirklichkeit behauptet wird, die es nicht geben kann, weil sie widersprchlich wre oder gegen unsere Vernunft stnde. 

Es zeigt sich uns dann aber vor allem, wenn wir so nachdenken, dass Gott ein leben- diger Gott ist, dass er nicht ein einsamer Gott  ist, wie sich das die Philosophen vorge- stellt haben, sofern sie  die Existenz Gottes nicht geleugnet haben - aber die Mehrzahl der Philosophen hat ja an der natrlichen Gotteserkenntnis festgehalten, erst in neuerer Zeit ist das anders.

Es gibt keine Religion, die ein so lebendiges Gottesbild hat:  Gott ist in Gemeinschaft und dennoch ist er der Eine. Die drei  gttlichen Personen sind geeint in der einen gttlichen Natur. 

Falsch wre es hier, von drei Gttern zu reden, ebenso falsch  wre es aber, von drei Erscheinungsweisen Gottes zu reden. Beide  Tendenzen begegnen uns heute, rationa- listische Tendenzen, die darauf drngen, das bervernnftige vernnftig zu machen und den  Glauben der Vernunft unterzuordnen.

Wenn heute das Geheimnis Gottes verflchtigt wird, wenn aus den  drei Personen nur noch drei Namen werden - zum Teil geschieht das unmerklich, zum Teil aber auch the- matisch mit einem hohen  theologischen Anspruch -, wenn heute das Geheimnis Gottes verflchtigt wird und hinter den drei Personen nur noch drei Namen  gesehen werden, so wird bald Gott ganz verschwinden, und grauer  Atheismus und  langweilige Gottlosigkeit werden brigbleiben.

Wenn wir zu Gott beten, ohne die einzelnen Personen beim Namen zu  nennen, so meinen wir alle Drei. Oder wir meinen nur den Vater. Wir  knnen die Personen aber auch einzeln anreden, denn das ist ja das,  was eine Person ausmacht, dass man du sagen kann zu ihr, dass man sie anreden kann.

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Man kann lange reden ber das Geheimnis des dreifaltigen Gottes  und noch lnger darber nachdenken. Je mehr man das tut, um so mehr  bekommt man die Abgrnde dieser Wahrheit ber das innerste Wesen Gottes in den Blick. Wir kennen nicht einmal das Wesen des Menschen,  ja, nicht einmal das Wesen eines einzigen Atoms, des kleinsten  Teiles der Materie - oder ist es das noch nicht einmal -, wir kennen  nicht einmal das Wesen eines einzigen Atoms, wie wollen wir das Wesen Gottes, das Wesen dessen erkennen, der alles geschaffen hat?  Dennoch drfen wir die Wahrheit des drei- einigen Gottes nicht  missachten. Sonst knnte die Demut das Gewand unseres Hochmuts sein, was viel fter vorkommt, als wir es ahnen oder vermuten.

Unser wiederholtes Bekenntnis zum  dreieinigen Gott hat  einen tiefen Sinn: Es ist Aus- druck unseres demtigen Glaubens und der Anerkenntnis unserer Kleinheit angesichts der Gre Gottes - und es ist Ausdruck unserer Anbetung des dreifaltigen Gottes und unserer Hingabe an ihn. 

Fllen wir unser Bekenntnis zum dreifaltigen Gott mit Leben, wo  immer wir es in Worte fassen und im Zeichen des Kreuzes  veranschaulichen.

Schon in diesem Leben sollten wir beginnen, in der Gemeinschaft  des dreifaltigen Got- tes zu leben. Amen.

 

Predigt zum Pfingstmontag, gehalten am 31. Mai 2004 
in Freiburg, St. Martin

Das Geheimnis des Heiligen Geistes ist weniger anschaulich als viele andere Glaubens- geheimnisse es sind. Der Grund dafr ist der,  dass der Heilige Geist das innerste Wesen Gottes, des  unbegreiflichen Gottes, ist. Gott ist Geist. Und der Geist ist in ihm eine Person. Wir versuchen, dieses Geheimnis zu fassen, zu  begreifen, wenn wir den Heili- gen Geist als die persongewordene  Liebe in Gott bezeichnen. Das ist richtig. Aber eine solche Bestimmung bleibt sehr abstrakt, wir knnen uns nur wenig dabei  vorstellen.

Die Offenbarung lsst uns dem Heiligen Geist begegnen vor allem  in drei Bildern, im Bild der Taube, im Bild des Feuers und im Bild  des Sturmes. Bei diesen drei Bildern wollen wir heute morgen ein wenig verweilen, ber sie wollen wir uns einige Gedanken ma- chen  heute morgen, damit wir wenigstens etwas vom Heiligen Geist  begreifen, wenn schon nicht von seinem Wesen, so doch wenigstens von seinem Wirken. 

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Als Jesus im Jordan getauft wurde, da schwebte ber ihm der  Heilige Geist in der Ge- stalt einer Taube (Mt 3, 16 f). Er schwebte  ber ihm, wie er am Morgen der Schpfung ber dem Chaos der Welt geschwebt hatte. Er schwebte er ber den Wassern, so heit es im 1. Buch des Alten Testamentes (Gen 1, 2). Immer wieder haben die  Knstler den Heiligen Geist dargestellt als eine berirdische Taube. Sie, die Taube, aber verkrpert den Frieden, die Sanftmut und die Gte und steht damit gegen die Macht, die Gewalt, die Hrte, den Krieg und den Terror, gegen all das, was immer neues Leid in unser Leben bringt. Der Apostel Paulus spricht von den Frchten des  Geistes und nennt dann im einzelnen die Liebe, die Gte, den Frieden und die Geduld (Gal 5,22). Wer sehnte sich nicht danach in einer  friedlosen, in einer grausamen und herzlosen Welt?

Den Geist des Friedens, der Sanftmut und der Gte sollen wir in  die Welt tragen, denn immer wirkt Gott in dieser Welt durch die  Menschen. Im Heiligen Geist sollen wir unsere Probleme lsen, und  wir werden sie im Grunde auch nur in ihm lsen knnen, grndlich und  zufriedenstellend und in der Tiefe. In diesem Geist sollen wir das  Bse durch das Gute berwinden, in ihm sollen wir den wahren Frieden finden.

Aber das ist noch nicht alles: Die Taube galt - in ihrer Geheimnishaftigkeit, mit ihrem klagenden Ruf - von jeher als Botin  der Vergnglichkeit, als Hinweis auf die andere, die jenseitige Welt, als Mahnerin der Ewigkeit, die wir verlieren, wenn wir sie vergessen. Von jeher galt die Taube als ein lebendiges memento mori, als eine lebendige Er- innerung an den Tod und an die  Ewigkeit.

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Am ersten Pfingsttag kommt der Heilige Geist in der Gestalt des  Feuers zu den ersten Jngern des auferstandenen Christus. Das Feuer ist ein Zeichen der Liebe und der Begeisterung: Wir sprechen von brennender Liebe und von flammender Begeisterung. Wo kein Feuer ist,  da ist die Welt kalt und lahm und tot. Wo feurige Liebe und flam- mende Begeisterung wirken, da ist die Kirche missionarisch, da kann  sie mitreien und berzeugen. Das kann man nicht feststellen ohne  einen Anflug von Nostalgie.

Wir knnen das Feuer auch unter einem anderen Aspekt betrachten: Es wrmt und es erleuchtet. Die Wrme steht fr die Liebe und das  Licht fr das Erkennen. Das Feuer macht die Dinge lebendig und sichtbar und schenkt somit Geborgenheit und Freude.

Wer fhlt sich schon wohl in der Klte und in der Dunkelheit? In der Gefhllosig-keit sowie in der Desorientierung und in der  Ratlosigkeit? 

Feuer bedeutet schlielich auch Energie. Die Energie, die zum  Problem Numero 1 fr uns geworden ist, sie erleichtert uns das  Leben. Und Kraft bedeutet es, das Feuer. Welche Kraft das  Feuer entfaltet, das kommt uns zum Bewusstsein, wenn wir an die modernen Verkehrsmittel denken, vom kleinen Motorrad bis hin zum  Flugzeug. Immer wird etwas verbrannt, das Energie freisetzt.

Das alles ist im bertragenen Sinn der Geist Gottes fr uns und  fr die Welt. Im Feuer des Heiligen Geistes trat das Christentum  einst den Sieg durch die Welt an, in diesem Feuer allein wird es unsere Welt und uns vor dem Untergang retten, wenn wir uns ihm nicht verschlieen.

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Am ersten Pfingsttag kam einst der Geist Gottes im Sturmesbrausen  in die Welt. Geheim- nisvoll ist der Sturm, so geheimnisvoll wie der  Heilige Geist.

Im Gesprch mit Nikodemus erklrt Jesus: Der Wind weht, wo er will, du hrst sein Brauen, seine Stimme, weit aber nicht, woher er kommt und wohin er geht (Jo 3, 8).

Der Sturm ist geheimnisvoll, sodann ist er aber auch Bewegung, Bewegung und Kraft, wie das Feuer. Er weckt die Menschen auf, wie er die Bewohner Jerusalems an jenem denkwrdigen Morgen aus dem Schlaf geholt hat.

Er macht unruhig, der Sturm. Wir sprechen von der heiligen Unruhe, die uns vor der Selbstzufriedenheit bewahrt. Bleiben wir unruhig, so vergessen wir nicht, dass wir auf dem Weg sind, dass wir Pilger und Fremdlinge sind in dieser Welt (1 Petr 2, 11; Hebr 11,  13).

Die Unruhe, die der Geist Gottes uns schenkt - wir sprechen hier von einer heilsamen Unruhe -, sie sollen wir in unsere Welt  hineintragen, damit sie wachsam bleibt gegen- ber den verderblichen  Mchten, die in ihr wirksam sind, heute vielleicht mehr denn je. Die  Wachsamkeit gehrt zu den Grundforderungen des ganzen Neuen  Testamentes.

Die heilige oder heilsame Unruhe, die wir in die Welt  hineintragen sollen, ist nicht zu verwechseln ist mit der Hektik des Alltags, mit dem, was man heute Stress nennt. In den sogenannten  Stress fliehen heute viele hinein, um der Welt des Alltags zu entflie- hen oder um vor sich selbst zu fliehen oder auch um Ansehen bei den Menschen zu erhalten. Wer im Stress ist, der ist wer.

Die unheilige Unruhe, sie zerstrt unsere Gesundheit, unsere krperliche wie auch unsere seelische Gesundheit. Sie brauchen wir nicht. Um so mehr aber brauchen wir jene heilige Unruhe, die der  Gottesgeist verkrpert und vermittelt. Sie brauchen wir dringender  als das tgliche Brot, damit wir nicht in Selbstgengsamkeit erstarren, damit wir das grere Leben suchen in der Monotonie des  Alltags, damit wir uns nicht mit Essen und Trinken begngen, damit  wir ber die Grenze unserer sichtbaren Welt hin- ausschauen,  Ausschau halten nach der Ewigkeit und uns von ihr gefangen nehmen lassen.

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Gottes Heiliger Geist ist unanschaulich in seinem innersten  Wesen, aber er ist anschau- lich in seinen Wirkungen, in den  Wirkungen, die wir ihm zuerkennen, in denen ein we- nig erkennbar  wird von dem unbegreiflichen Wesen Gottes. Diese Wirkungen bezeich- nen die biblischen Bilder von der Taube, vom Feuer und vom Sturm. Im einzelnen geht es hier um den Frieden, die Sanftmut und die Geduld,  um die  Liebe und die Begei- sterung, um die Wrme und das  Licht, um das Lieben und das Erkennen, um die Bewe- gung und die  Kraft, um die heilige Unruhe, die sich nicht begngt mit dem  Diesseits, die Ausschau hlt nach dem Jenseits. Der Heilige Geist, er wirkt die heilsame Unruhe, die uns aufweckt in unserer  Selbstgengsamkeit und in unserer Selbstgerechtigkeit. Vor allem erinnert uns der Heilige Geist an die Ewigkeit, die wir entweder  gewinnen oder verlieren, je nach unserem Verhalten. 

Der Geist Gottes hat die Kraft, das Antlitz der Welt und unseres Lebens zu erneuern, wenn wir mittun. Im Heiligen Geist werden wir verwandelt, und durch uns wird ein Stck der Welt verwandelt in ihm,  wenn wir uns leiten lassen von ihm, wenn wir auf diesen Finger  Gottes schauen, der uns fhrt. Als Finger Gottes wird der Heilige  Geist in dem alten Pfingsthymnus bezeichnet Komm, Schpfer Geist,  kehr bei uns ein. Gott will, dass wir die Welt verwandeln in seinem Geist und durch ihn.

Beten wir zu ihm und um ihn. Wiederholen wir oft  das alte Responsorium der Pfingst- liturgie als Stogebet: Sende aus Deinen Geist, und alles wird neu geschaffen, und Du wirst das  Angesicht der Erde erneuern. Amen.

 

Predigt zum hochheiligen Pfingstfest, gehalten am  30. Mai 2004 
in Freiburg, St. Martin

Gott wohnt in unzugnglichem Licht, und kein Mensch hat ihn je  gesehen noch knnte er es je. Diese Worte schreibt der Apostel Paulus an seinen Schler Timotheus. So steht es im 1. Timotheusbrief (1 Tim 6,16). Damit bringt er zum Ausdruck, dass gegen- ber der Wirklichkeit Gottes all unsere Vorstellungskraft versagt.

Tatsache ist: Je mehr man sich in das Reich des Geistes  hineinbegibt, um so unan- schaulicher wird die Wirklichkeit. Der Gipfel der Unanschaulichkeit aber ist der jen- seitige Gott, der die  Bedingung aller uns begegnenden Wirklichkeit ist, ohne den auch wir selber nicht sein knnten. 

Durch die Offenbarung wissen wir, dass dieser Gott in drei Personen existiert, als Vater, als Sohn und als Geist. Und diese  drei Personen sind ein Gott.

Die Heilige Schrift sagt, dass uns der Vater erschaffen, dass uns  der Sohn erlst und dass uns der Heilige Geist geheiligt hat. Dem Heiligen Geist wird die Heiligung der Welt und der Menschen zugeeignet, schon in der Heiligen Schrift. Vom ihm und von seinem  Wirken in der Welt und von seiner Bedeutung fr uns und fr die  Kirche handelt das Pfingstfest, nicht lehrhaft, sondern vom Erlebnis der ersten Jnger Jesu her.

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Das Kommen des Heiligen Geistes ist bereits im Alten Testament vorausgesagt fr die Zeit der Kirche. In der Zeit zwischen der ersten und der zweiten Ankunft des Erlsers sollte er in besonderer Weise sein Wirken entfalten. Dessen eingedenk lebte die junge  Christengemeinde von Jerusalem ganz aus dem Bewusstsein von der  Gegenwart des Gottesgeistes.

Er bedeutete fr sie Erflltsein von Gott, Begeisterung fr Gott und seine Ehre, Weisheit, Erkenntnis, Kraft, Frmmigkeit und Gottesfurcht, kurz: Er bedeutete fr sie Gottes Licht und Gottes Kraft in dieser unserer Zeitlichkeit.

Im Heiligen Geist zogen die Boten des Evangeliums furchtlos durch  die Welt, in ihm frchteten sie nicht Klte und Hitze, Mhsal und Verfolgung. In ihm fanden sie die Kraft, das morsche Heidentum ihrer  Zeit zu verwandeln und einen neuen Weltfrhling her- beizufhren. In  ihm glaubten und verkndeten sie die ganze Botschaft ihres Meisters,  und in ihm konnten sie die Geister unterscheiden, erkannten sie, was wirklich Zukunft hatte und was der Menschheit wirklich dienlich war.  Der Heilige Geist heiligte das Leben der Glubigen und lehrte sie,  alles hinzugeben fr die Ewigkeit. 

Dieser Geist ist der Inbegriff der Flle der Gaben Gottes fr die  Zeit, die kommen sollte mit der Ankunft des Messias, damit aber auch fr die Gegenwart.

Allein, man braucht nicht Pessimist zu sein, um zu erkennen, dass  er, dieser Geist, heute nicht sehr wirksam ist in Kirche und Welt.

Mdigkeit, Blindheit, Resignation und Gleichgltigkeit breiten sich aus. Verfhrung der Menschen und Missachtung ihrer Wrde greifen um sich und werden immer weniger als solche erkannt. Mit der  Abwendung vieler von Kirche und Christentum geht die mora- lische Verantwortung verloren, schwinden Sitte und Anstand dahin und  breitet sich der Grundsatz aus: Du darfst alles tun, was dir Spa macht.

Dazu wird die christliche Botschaft oft so saft- und kraftlos  verkndet, dass sie nicht mehr ernst genommen wird, dass sie gar  nicht mehr ernst genommen werden kann. Sie hat weithin ihre innere  Kraft eingebt, sie ist wie schales Salz geworden, wenn sie auf die  Formel zurckgefhrt werden kann: Seid nett zueinander, oder wenn  sie nur noch als Trostpflaster fr Gewissensbisse dient, etwa in dem  Sinne: Macht nur so weiter, es wird schon alles gut werden, whrend  doch Jesus kraftvoll die Bekehrung und den tatkrf- tigen Glauben  als Voraussetzung fr das ewige Leben verlangt hat.

Es ist unverkennbar, dass ernstes Tugendstreben heute  Seltenheitswert bekommen hat. Christliche Werte werden heute weniger gelebt und erlebt als je zuvor.

Whrend das Selbstbewusstsein der Menschen allgemein bis in den  Himmel hinein wchst, schmilzt unser christliches Selbstbewusstsein  wie der Schnee in der Sonne. Oft ist es so, dass wir uns gar entschuldigen, dass wir noch immer dieser Lehre anhngen, die  vielfach nicht nur von den anderen als Anachronismus angesehen  wird.

Die ffentlichkeit ist entchristlicht. Der soziale Druck ist gegen die Kirche und das Chri- stentum. Wer sich zum Christentum und  zur Kirche bekennt, tritt in Gegensatz zu seiner Umgebung.

Das alles spricht nicht fr das Wirken des Gottesgeistes in  Kirche und Welt heute. Das alles ist nicht gerade ein Zeugnis fr den Schpfergeist, fr den Trster und Beistand der Kirche, der am heutigen Tag auf die Urgemeinde von Jerusalem herabgekommen ist. Aber diese unsere Situation ist nicht deshalb so, weil sich etwa der  Geist Gottes zu- rckgezogen htte. Die messianische Zeit dauert an. Das pfingstliche Kommen des Got- tesgeistes geht weiter, es setzt sich fort in der Geschichte der Kirche, es bleibt Gegen- wart bis  zum Jngsten Tag. Aber wir haben uns abgewandt, wir haben uns  verschlo- ssen, wir sind stolz und bequem geworden. Unsere Abwehr  ist jedoch die Grenze des Wirkens des Heiligen Geistes. 

Gott verwandelt die Welt im Heiligen Geist, aber das tut er nicht  ohne uns. Er knnte es, aber er tut es nicht. Gott verwandelt die  Welt nicht ohne uns in seinem Geist, so wenig, wie wir die Welt nicht ohne Gott verwandeln knnen, wie das manche meinen. 

So liegt es an uns, dass das Wirken des Geistes wieder sichtbar  wird in unserer Welt, dass Verfhrung und Verkndigung des halben Glaubens ein Ende nehmen, dass wir unsere Kinder und jene Menschen,  die unser Leben teilen, auf die wir Einfluss haben, wieder in die  Kirche hineinfhren, womit wir ihnen und uns, nicht Gott, einen Gefallen tun. Denn Gott braucht uns nicht zu seinem Glck, aber wir brauchen ihn. 

So liegt es an uns, dass die Kirche wieder glaubwrdiger wird und  die Verfhrten und Betrogenen zur Einsicht kommen und sich gegen  jene erheben, die sie missbraucht haben und die sie missbrauchen.  Ich denke hier an die vielen, die geistige Macht aus- ben in unserer Welt, an die Schriftsteller, die Journalisten, die Knstler, die Filmre- gisseure und die Fernsehintendanten, aber auch an die Politiker und viele andere.

Das groe Geld machen die Verfhrer, nicht die Verfhrten. Und die Verfhrer sind nicht die jungen Menschen, sondern die nicht mehr  jungen Menschen, jene nicht mehr jungen Menschen, denen das Geld wichtiger ist als ihre Seele und als ihre Ewigkeit, die weder von  ihrer unsterblichen Seele etwas wissen wollen noch von der Ewigkeit, die jedoch unser aller Schicksal ist. 

Was uns fehlt, uns allen, das ist die Fgsamkeit, die  Empfnglichkeit fr den Heili- gen Geist. Diese aber geht hervor aus  dem Gebet und aus der treuen Pflichterfllung aus Liebe zu Gott, vor allem geht sie hervor aus dem Gebet. Ihm kommt der erste Platz zu in unserem Leben. So muss es sein.

Damals, als der Heilige Geist auf die junge Gemeinde von Jerusalem herabkam, beim ersten Pfingstfest, hatten die Jesus-Jnger, die sich soeben bekehrt hatten, eine Reihe von Tagen  im Gebet zugebracht, zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, wie es in der Apostelgeschichte heit (Apg 1,14).

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Wir haben in der Heiligen Schrift eine Reihe von Zeichen, von  Symbolen fr den Geistes Gottes: das Feuer, das leuchtet und wrmt, den Sturm, der ungeahnte Krfte entwickelt, und die Zungen, die die  Auseinandersetzung nicht scheuen. Vor allem aber stellt uns die Offenbarung den Heiligen Geist als Taube dar. Den klagenden Ruf der  Taube, ihr Gur- ren, verstand man in alter Zeit als Hinweis auf eine  andere Welt, als Mahnung an den Menschen, die Ewigkeit nicht zu  vergessen und sie damit nicht zu verlieren. 

Im Heiligen Geist, und nur in ihm, finden wir den Weg zu Gott und zur Ewigkeit  und in ihm knnen wir ihn auch den anderen zeigen.  Unsere Welt, die sich weithin ganz und gar dem Diesseits  verschrieben hat, bedarf des Heiligen Geistes mehr denn je. Ohne  Heiligkeit oder wenigstens ohne das Bemhen darum gibt es kein ewiges Leben bei Gott. Aber bedeutsamer noch ist das Gebet. Mit dem  Gebet zum Heiligen Geist sollten wir jeden Morgen unser Tagewerk  beginnen. Der Hymnus Komm Schpfer Geist, kehr bei uns ein, seit beinahe 1000 Jahren ist er unzhlige Male gebetet worden, ihn  sollten wir tglich beten: Komm Schpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein, erfll uns all mit deiner Gnad, die deine Macht erschaffen hat. Amen. 

 

Predigt zum 7. Ostersonntag (6. Sonntag nach Ostern)gehalten am 
23. Mai 2004 in Freiburg, St.  Martin

In der Lesung des heutigen Sonntags begegnet uns ein eindrucksvolles Zeugnis von der Hoffnung der jungen  Christengemeinden am Ende des ersten Jahrhunderts. In lebendiger  Erwartung richteten sie damals den Blick auf Christus und seine  Wiederkunft. Von dieser Wiederkunft hatten die Engel gesprochen bei  der Himmelfahrt des Auferstandenen. Da die Kirche dieselbe ist, damals wie heute, wesenhaft, muss sie auch heute auf Christus und  seine Wiederkunft hin ausgerichtet sein, muss sie auch heute erfllt sein von der Erwartung der Wiederkunft des Auferstandenen. Ihr  Bemhen darum drfte gar der Ma- stab ihrer Authentizitt sein.

Die Kraft solcher hoffnungsfroher Erwartung ist der Heilige  Geist, von dem Christus wie- derholt gesprochen hat in den  Abschiedsreden, die uns der Evangelist Johannes ber- liefert. Er, der Heilige Geist, ist die Seele der Kirche, das heit: Er verleiht  ihr das Leben und die Lebenskraft, und durch ihn wchst die Hoffnung in der Kirche, mit der Hoffnung aber wachsen der Glaube und die  Liebe.

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In der Lesung, deren zentrales Thema die Hoffnung auf die  Wiederkunft des Auferstande- nen ist, wird die Kirche als die Braut Christi bezeichnet, und im Heiligen Geist bittet sie da ihren  Brutigam, er mge bald kommen.

Die Kirche als die Braut Christi, das ist ein ausdrucksstarkes Bild, wiederholt begegnet es uns im letzten Buch der Heiligen Schrift. 

Zwischen einer Braut und ihrem Brutigam besteht das Verhltnis  von Liebe und Treue. Und fr eine Braut ist es charakteristisch,  dass der Brutigam fortwhrend der Mittelpunkt ihres Denkens und  Fhlens ist.

So muss es auch bei der Kirche sein. Sie muss aus der Liebe und  aus der Treue zu Chri- stus leben, und Christus muss der Mittelpunkt  ihres Denkens und Fhlens sein. 

Damit sind wir alle angesprochen, denn die Kirche, das ist die Gemeinschaft derer, die der Kirche angehren. Das Sein der Kirche  wird immer wieder zur Aufgabe eines jeden, der dazugehrt.

Wenn es in der Kirche in erster Linie um die Liebe und die Treue zu Christus geht, dann erhlt alles, was in ihr geschieht, von daher  seinen Mastab, dann erhlt alles in ihr von daher erst seinen  eigentlichen Wert.

Das hat zur Folge: Wenn wir von zeitgemen Aufgaben der Kirche  sprechen, etwa von einer gerechteren Ordnung in der Welt, wofr die Kirche eintreten muss, oder von dem Eintreten der Kirche fr die Armen, fr die Minderheiten, fr die Benachteiligten und fr die Verfolgten, oder wenn es um die Verkndigung des Evangeliums allgemein geht oder um innerkirchliche Fragen, so muss die Liebe zu Christus stets der Ausgangspunkt wie auch das Ziel sein. Alles, was  nicht seine Wurzel in der Liebe zu Christus hat und was nicht geschieht um der Liebe zu Christus willen, ist nicht Aufgabe der Kirche, kann nicht Aufgabe der Kirche sein. Das vergessen wir nicht selten.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist von Bedeutung in dem Bild von der Braut: Braut sein heit: In Liebe warten. Zum Heiligsten im  Brautstand gehrt das Wartenknnen und das Warten in Liebe. Dieses  Warten fhrt die Wartenden nicht zur Entfremdung, sondern zum Reifen  ihrer Liebe. 

Im letzten Buch der Heiligen Schrift wird die Wiederkunft Christi  als die Hochzeit des Lammes bezeichnet (Apk 19, 7). In ihr soll die Liebe der Kirche zu Christus, die im gedul- digen Warten reifen  muss, einst ihre Vollendung finden.

Das ist wiederum ein Auftrag, der an uns alle ergeht, eine Aufgabe, die einen jeden von uns betrifft. Denn die Kirche, das sind  wir alle. Und im geduldigen Ausschauhalten nach dem Herrn der Kirche in den mannigfachen Bedrngnissen des Lebens muss unsere Lie- be zu Christus reifen und immer grer werden.

Daraus folgt: Wenn wir etwa Kritik ben an der Kirche, kann sie, soweit sie ehrlich ist und nicht nur ein Ausdruck unserer Selbstgerechtigkeit ist, nichts anderes meinen als die mangelnde  Reife der Braut Christi. Dazu gehrt dann aber auch immer die Unzulnglich- keit der Kritiker und ihre Verpflichtung, den Mangel der anderen durch den eigenen Eifer zu ersetzen. So war es jedenfalls stets das Lebensprogramm der Heiligen.

Die kleinen Gemeinden der jungen Christenheit in den Jahrzehnten nach der Himmel fahrt des auferstandenen Christus, sie hielten zusammen gerade in ihrem liebenden War- ten auf den Herrn. Die Hoffnung war gleichsam ein starkes Ferment fr sie. Dabei waren die  ersten Christen berzeugt davon, dass die Wiederkunft Jesu schon  bald erfolgen knnte, erfolgen knnte, nicht msste. Darum waren sie  von groer Opferbereitschaft. Deshalb stand bei ihnen in allem die Sorge im Vordergrund, dass sie bereit seien, wenn Christus einst kommen werde, deshalb prgte die Frmmigkeit, die von der  unmittelbaren Christusliebe genhrt wurde, damit aber auch vom Glauben und von der Hoffnung, das eigentliche Leben der Gemeinden am Anfang. 

Das war nicht leicht, denn schon sehr bald wurden die Gemeinden  verfolgt von den Tr- gern der staatlichen Gewalt. Grausam war diese Verfolgung, so grausam, wie die Men- schen damals waren  und  wie sie wohl auch immer sind. Da galt es, durchzuhalten in der Liebe  zu Christus, mit einem starken Glauben und mit einer lebendigen Hoffnung, durch- zuhalten zuweilen in einer geradezu hoffnungslosen Situation. Je mehr das erste Jahr- hundert sich seinem Ende zuneigte, um so gefahrvoller war es, als Christ zu leben.

Auch bei uns gibt es noch solche Verfolgung, aber weniger. In den  meisten Fllen hat sie eine andere Gestalt. Hufiger ist den  Christen heute ein geistiges Martyrium auferlegt. Dann gilt vor  allem dann, wenn sie konsequent die Nachfolge Christi leben.  Zuweilen sind die Peiniger dabei die eigenen Glaubensgenossen. 

Das geistige Martyrium, das uns heute auferlegt wird, es besteht in der Gottlosigkeit und in der Sittenlosigkeit, in dem  Dahinschwinden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und in dem Druck, der auf unser christliches Leben ausgebt wird. Wer konsequent die Nachfolge Christi lebt, der begegnet nicht selten  groer Feindseligkeit.

In der Verfolgung wachsen manche ber sich selbst hinaus, und  manche finden in ihr zu einem tieferen Glauben  in alter Zeit  galt: Das Blut der Mrtyrer ist der Same neuer Chri- sten (Tertullian, Apologeticus 50) , aber viele werden auch mutlos und  bei vielen erkaltet die Liebe und mit ihr der Glaube. Das Letztere ist ein bedrngende Erfahrung heute. Da mssen wir auf der Hut sein, dass wir uns nicht dem Geist der Zeit anpassen, um Ruhe zu haben. Wir mssen Sorge tragen, dass die Liebe zu Christus in uns nicht niederbrennt oder gar verlscht und wir die Treue verraten.

In der Lesung heit es: Wer drstet, der komme; wer Vertrauen hat, der empfange Wa- sser des Lebens als Geschenk. Es gilt, dass wir zurckkehren zur Christusfrmmigkeit der Urkirche und dass wir  uns darum bemhen, dass wir tglich wachsen in der Liebe zu unserem  Erlser. Das geschieht im Gebet und im Gottesdienst der Kirche, vor allem in der rechten Mitfeier der heiligen Messe.

Um das Gebet und die Gottesverehrung, darum muss es gehen in der Kirche, in erster Linie. Der uere Betrieb ist Leerlauf. Er tritt da hervor, wo die Kirche ihre Mitte verloren hat. Worauf es allein  ankommt, das ist  das Wachsen einer immer tieferen Frmmigkeit  im Blick auf Christus, den Herrn der Kirche. Da, wo die Treue zu  Christus gelebt wird, wird die Kirche wieder berzeugend und  anziehend.

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Ein sprechendes Bild der Kirche ist Maria, die Mutter des  Erlsers. Sie ist gar das Urbild der Kirche, wie wir sagen. Daher bezeichnen wir auch sie als die Braut Christi.

Erwhlen wir sie als die Gefhrtin unserer Wege und verbinden wir  uns mit ihr tglich im Gebet, dann wachsen uns unsagbare Krfte zu.

Sie lehrt uns, Christus, ihren Sohn, zu lieben, ihm die Treue zu halten und auf ihn zu hoffen. Das lehrt sie uns durch ihr Beispiel und durch ihre Frsprache. Amen.

 

 

 
 
 
